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turellen und literarischen Themen auseinander, schlug dieselben ästhetischen
Pfadeeinundentwickelte sichbis zur Jahrhundertwende in einevergleichbare
Richtung. FürWilliamM. Johnston steht Schaukal „einmütig“mit Bahr, Alten-
berg,LeopoldvonAndrian (1875–1951)undBeer-Hofmann inderReihederWie-
ner Impressionisten.514Wie sie kehrte er sich vomÄsthetizismus ab. Noch 1902
bezeichnete er sich als schönheitsgläubigen Formverfechter, nach 1904 ging
seineLyrikproduktiongegenüberdenessayistischenundliteraturkritischenWer-
kenzurück.ÄhnlichverhieltessichauchmitHofmannsthals lyrischemSchaffen,
das nach der Jahrhundertwende (mit Ausnahme der Gedichteinlagen in seinen
Libretti)beinaheganzerlosch.
Eine letzte, ironische Referenz andas JungeWien, dessenVertreter sich zu
jener Zeit in unterschiedliche ästhetische Richtungen entwickelt hatten, ist der
näselnde Lebemannund kauzigeDandyAndreas vonBalthesser, für denHugo
vonHofmannsthalModell stand.515SchaukaladaptierteundrezipierteWerkedes
JungenWien und grenzte sich gleichzeitig von ihnen ab. Er suchte den Aus-
tauschundmiedihngekränkt, sobalderAblehnungerfuhr.
8.6 Hypermoderne-Premieren-Abende
Am27.August 1907kontaktiertederDramatikerundJournalistOttoEisenschitz
Schaukal. Er bat den nach der Veröffentlichung von Andreas Balthesser auf
dem Zenit seines Schaffens Stehenden um die Teilnahme an einem „littera-
risch-musikalischen Unternehmen“, das in Wien unter dem Titel „Hypermo-
derne-Premieren-Abende“ in unregelmäßigen Abständen Lieder und kurze
Werke aufführen sollte. Diese sollten von Schauspielerinnen dargeboten oder
von den Dichtern selbst vortragen werden. Die Künstlerinnen und Künstler
würdenandenEinnahmenbeteiligtwerden,soEisenschitz.DerOrganisatorar-
gumentierte im Brief an Schaukal netzwerkstrategisch mit „moralischen und
materiellenVorteilen“bei der zukünftigenVerlagssuche. Dieser zeigte sich in-
teressiert, stießsichaber,wie zuerwarten,anderBezeichnung ‚hypermodern‘.
Eisenschitz konzedierte diesenVorbehalt und strich den ersten Teil des Titels.
Er informierte Schaukal außerdemdarüber, dass auchHofmannsthal, Schnitz-
514WilliamM. Johnston:DerWiener Impressionismus.EineneueWertungeiner einstbelieb-
ten Kategorie. In: Akten des Internationalen Symposiums ‚Arthur Schnitzler und seine Zeit‘.
Hg.vonGiuseppeFarese.Bernu.a. 1985,S. 201–212,hierS. 203.
515 Vgl. die handschriftliche Notiz Schaukals, abgedruckt in: WE. Bd. 2: Um die Jahrhundert-
wende.München/Wien1965,S.230. 8 WienerNetzwerke 217
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Titel
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Autor
- Cornelius Mitterer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 312
- Kategorien
- Weiteres Belletristik