Seite - 223 - in Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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auch untereinander korrespondierten: Dazu gehörten Graphiker, Illustratoren
bzw.bildendeKünstlerwieTh.Th.HeineundKubinsowie literarischeAkteure
wie Otto Julius Bierbaum, Richard Dehmel, Hermann Hesse, Thomas Mann,
RainerMariaRilke,AlexanderRodaRodaundHugoSalus.
Schaukal selbst attestierte den folgenden Personenmaßgeblichen Einfluss
auf seindichterischesSchaffen:Hesse, ThomasMann,Emil Strauß (1866–1960),
Salus, Rilke, Bierbaum,Wilhelm von Scholz, Paul Remer (1867–1943) undGer-
hard Ouckama Knoop.542 Gemessen an denÜberschneidungen im literarischen
Feld kristallisieren sich Bierbaum, der auchMitherausgeber von Panwar und
Schaukal 1894 in seinen ebenfalls in München publiziertenModernen Musen-
Almanach aufnahm, ThomasMannund schließlichRichardDehmel alswesent-
licheBezugspersonenheraus.Das ist insoferninteressant,alsdiewichtigstenAk-
teure fürSchaukals literarischeKarrierenur temporärmit ihmverbundenwaren,
dieVerbindungen (Kanten) also eine insgesamt schwache sowie asymmetrische
Strukturaufwiesen.Spätestensnach1910standermitkeinemderAkteure (Kno-
ten) ausdemMünchen-Netzwerkmehr inKontakt.Der sehrkurzeAustauschmit
Bierbaumerstreckte sich über lediglich ein Jahr (1902), ThomasMannbeendete
dieKorrespondenz1905,zwei JahrenachseinemBruderHeinrich.Der letzteAus-
tauschmit Rilke und Salus erfolgte 1907, und 1910 brach der Briefverkehrmit
HessesowiemitAlexanderRodaRodaab.
Ein über Schaukal verlaufender Brückenschlag zwischenMünchen, Berlin
und Prag wurde über die neuromantische Linie intendiert, aber nicht konse-
quent fortgesetzt. Gegenüber Blei undMannerwähnte Schaukal immerwieder
den damals hochgeschätzten, heute vergessenen E.T.A.-Hoffmann-Forscher
HansvonMüller,543 der zwischen1899und1905 festerBestandteil desBerliner
‚Montagstisches‘ war, eines Künstlerkreises rund um Otto Erich Hartleben
(1864–1905). Blei, Otto Julius Bierbaum und auch Alfred Kubin gehörten zu
Hartlebens 1903 ins Leben gerufener ‚Halkyonischer Akademie für unange-
wandteWissenschaften‘.Müller standnichtnurmitKubin inVerbindung, son-
dernauchmit demRedakteurder ZeitschriftDie InselunddessenHerausgeber
Bierbaum, der in Pan erste Gedichte Schaukals veröffentlicht hatte.544 Doch
Schaukal frequentierte lieberAristokraten- als Künstlerkreise, reiste nur selten
in die deutschenLiteraturmetropolen undblieb somit– auch topographisch–
542 Vgl.denBriefSchaukalsanHesse, 14.Oktober 1904,H-NL,LAM.
543 Vgl. etwa einen Brief Manns an Schaukal, in: Girardi (Hg.): Thomas Mann: Briefe an
Richard Schaukal, S. 85 (TMSch 53).
544 Vgl.Mühlher: Hans vonMüller, S. 110–114; vgl. auchHans-Dieter Holzhausen: Aus den
Papieren eines bekannten Hoffmann-Forschers. Hans von Müller zum 125. Geburtstag am
30.März2000. In:E.T.A.Hoffmann-Jahrbuch,Bd.8 (2000),S.81–105,hierS.86.
9 Resümee:ErfolgundMisserfolg–eineNetzwerkangelegenheit 223
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Titel
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Autor
- Cornelius Mitterer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 312
- Kategorien
- Weiteres Belletristik