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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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IndemSchaukal seinenEinflussbereich imZeitungsmetier geltendmachte, verfügte er über entscheidendes Sozialkapital, das er zur künstlerischen Auf- wertung der eigenen literarischenWerke heranziehen konnte, also zur Steige- rung des symbolischen Kapitals. Für Schaukal bedeutete dies, dass er im sozialenRaumverschiedene, laufendwechselndePositioneneinnahmunddas als Literaturkritiker gewonneneökonomischeundsozialeKapital auf daskapi- talarmeFeldderLiteraturproduktionzuverlagernsuchte.Dies ist ihmlediglich inder frühenSchaffensphaseundmit nurmäßigemErfolg gelungen,was zum großenTeil auf seine ständigeKonfliktbereitschaft, aufmangelndesTaktgefühl undeinoft fehlendesGespür fürQuid-pro-quo-Entscheidungenzurückgeht. 10 Exkurs:SchaukalalsVermittlerzwischenKunstundPolitik Schaukals Sakralisierung der Kunst und die anachronistischeHinwendung zu einemkulturell einflussreichenAdel sindVersuche, dieAutonomie desKunst- werks zu wahren. Sie stellen eine Reaktion auf die neuen ‚Regeln der Kunst‘ dar,wie sie sich imLaufedes 19. Jahrhundertsdurchzusetzenbegannen.Bour- dieu beschreibt den wechselseitigen Einfluss von Politik, Industrialisierung (mächtige Großindustrielle, Zeitungswesen, Buchmarkt) und Salonkultur im Frankreich Napoleons III. und erläutert, wie diese Institutionen und ihre Ak- teure ein bestimmtes Feld für die Literatur erzeugten und spezifische Spielre- geln festlegten.545 Kultur sei eine umkämpfte Sphäre in der sozialenWelt, die darin tätigen Künstler streben nach ökonomischer Unabhängigkeit, da diese das Schaffen einzigartigerWerke begünstige. Maßgebliche künstlerische Neu- erungen, die Bourdieu in seiner Vorlesung über den französischen Maler Édouard Manet (1832–1883) „symbolische Revolution“ nennt, würden vorder- gründig von Akteuren mit großem Kapitalvolumen und günstiger Kapitalsor- tenstruktur initiiert: Manet ist ein Beispiel dafür, und sicher haben seine Dispositionen zum Revolutionär damit zu tun,daßer einPrivilegierter ist, undvorallemvielleicht, daßderErfolgderRe- volution, die er initiiert hat [. . .], nicht vorstellbarwäre, wenn er nicht über viel Kapital verfügthätte, nichtnurüber akademische, akademischbeglaubigteKompetenz, sondern auchüber soziales Kapital, über Beziehungenund also über an seine Freunde gebunde- nessymbolischesKapitalusw.546 545 Vgl.Bourdieu:DieRegelnderKunst,S.83. 546 PierreBourdieu:Manet. EinesymbolischeRevolution.VorlesungenamCollègedeFrance 1998–2000.AusdemFranz.vonBerndSchwibsundAchimRusser.Berlin2015,S. 24. 10 Exkurs:SchaukalalsVermittlerzwischenKunstundPolitik 225
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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