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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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bildung und Festigung von Herrschaftsstrukturen determinieren. Ein auf Ein- zelpersönlichkeitenausgerichteter IdeologismusundderzumhistorischenÖko- nomismus degenerierte historische Materialismus könnten mit Blick auf den (kulturellen) Hegemoniebegriff überwunden werden.550 Entscheidend für die SicherungderHegemonie einerherrschendenGruppe ist die Eingliederung so- genannter subalterner Klassen. Dies kann in Form von (scheinbaren) Zuge- ständnissen erfolgen, die mit der Interessenswahrung der dominanten Kultur übereinstimmen.DieVertretereinerherrschendenoderaufHerrschaftabzielen- den Klasse sind dann am erfolgreichsten, wenn sie als geschlossene Gruppe „organischer Intellektueller“ auftreten, das heißt,wenn sich erstens ihre Ideo- logiemit der ausgeübten (beruflichen) Tätigkeit „verdichtet“und sie zweitens durchprivates Engagement undnichtmit offiziellenParteiprogrammenandie „ganze Masse an Intellektuellen“ herantreten, die im Land „verstreut“ und „vereinzelt“ lebenundnichtorganisiertsind.551DurchdieseArtderVerdichtung, wie esGramsci nennt, übendie organischen Intellektuellen eine besondereAn- ziehung auf alle übrigen, nicht-organisiertenMitglieder einer Gesellschaft aus. DieseWirkungträgtdazubei, jeneVerstreutenvonderRichtigkeit ihrer Ideologie zuüberzeugen. Dabei ist die Integration einflussreicher Intellektueller (Gramsci verwendet denTerminus ‚Eroberung‘) für die EtablierungundWahrungderHe- gemonie ganz entscheidend. Grundsätzlich sei jeder ein Intellektueller – auch FließbandarbeitsetzedasBewusstseinfürdiemechanischeUmsetzungderTätig- keitvoraus–, soGramsci.Allerdingsübenicht jeder Intellektuellezugleichauch eine Funktion aus. Neben den genannten organischen existieren auch traditio- nelle Intellektuelle, zum Beispiel Kleriker, Philosophen und Künstler. In diese Intellektuellenkategorie gehören auch Amtsadelige und Wissenschaftler. Jene seien sichkeiner strukturellenZugehörigkeit bewusstundreklamiereneineSon- derposition inderGesellschaft,dieaberpseudoautonombleibt,dasiemeist von derherrschendenKlasse instrumentalisiertwerden.Die vom italienischenTheo- retikeralsorganischbezeichneten Intellektuellen fühlensichhingegenmit einer Klasse verbunden, sie entstammen also einemMilieu, dem sie zugeordnetwer- den können und an das sie angeschlossen bleiben (wollen). Gelingt es einer nachDominanzstrebendensozialenGruppe,dentraditionellenIntellektuellenty- pus fürdieVermittlungder Ideologiezugewinnen–Gramscisprichtvon ‚assimi- lieren‘ –, ist eine entscheidende Grundvoraussetzung für den Erwerb und die Festigung(kultureller)Hegemoniegegeben.552 550 Vgl.Gramsci:Gefängnishefte.Bd.3 (1992),H.4, §38,S. 502. 551 Gramsci:Gefängnishefte.Bd. 1 (1991),H. 1, §44,S. 101–102. 552 Vgl.Gramsci:Gefängnishefte.Bd.7 (1996),H.12,§ 1,S. 1497–1505.Vgl.DominiqueGrisoni undRobertMaggiori:GuidaaGramsci.Mailand1975. 10 Exkurs:SchaukalalsVermittlerzwischenKunstundPolitik 227
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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