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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 325 -
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Otto R. Schatz –Neue Sachlichkeit und Proletkult 325 reduziert. Die Draufsicht auf das Auto mit Chauffeur ist hell ausgeleuchtet, die drei Herren mit Hut und Trenchcoat könnten Gäste des Hotels im Bild Auto vor dem Hotel sein; Dunkles liegt nicht nur über ihrer Kleidung, es könnte auch über ihrem nächtlichen Tun liegen. Um Dynamik und Geschwindigkeit geht es im Holzschnitt Die Fahrt, das die vorbeirasenden Straßenzüge  – es scheint eine Ausfahrtstraße mit Fabrikhallen zu sein  – mit Licht-Schatten-Effekten ins Bild rückt. 1936/37 konnte Schatz durch seine zweite Ehe mit der Tochter eines jüdi- schen Textilindustriellen aus Brünn eine Amerikareise unternehmen. Im April 1937 zeigt Kallir-Nirenstein in seiner Neuen Galerie vor allem Holzschnitte von Schatz und im Herbst 1937 werden bei einer Ausstellung des Hagenbunds Ölbil- der und Aquarelle mit seinen New  York-Motiven gezeigt, die die spektakuläre Skyline mit spektakulären Mitteln einfangen. 8 Nach 1938 Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten verlässt Schatz Österreich und lebt in Brünn und Prag; seine Position ist prekär:  Die ‚Mischehe‘ bewahrt seine Frau vor der Deportation und ihn als ‚wehrunwürdig‘ vor der Front. Mit Arbeits- und Ausstellungsverbot belegt, hält er sich als Maler von materialsparenden Minia- turen über Wasser, fährt immer wieder nach Wien, München oder Salzburg auf der Suche nach alten Bekannten, und wird zunehmend depressiv. In Brünn soll er an einer leer stehenden Fabrik ein Kreuzigungsfresko geschaffen und der Christusfigur die Züge eines einst beliebten und längst deportierten jüdischen Kaufmanns verliehen haben.53 Als die örtlichen Behörden aufmerksam werden, ist Schatz nicht mehr greifbar:  Er wurde am 16.  November  1944 von der Gestapo verhaftet und in verschiedene Arbeitslager verschleppt, zuletzt ins Lager Bistritz bei Benešov/Beneschau. Das Wien der Nachkriegsjahre dokumentiert Schatz in einer Serie von Holz- schnitten, Ölbildern und Aquarellen  – „die Reportage des bildenden Künst- lers“.54 Schatz ist nicht nur ein „Vedutenmaler“ der Industriekultur, sondern auch des zerstörten Wien und seiner desorientierten Bewohner. Gleichzeitig entsteht eine Fülle von Erotika, die er gewinnbringend an amerikanische Sol- daten verkauft. Gefördert und unterstützt wird Schatz von Viktor Matejka, die 53 Vgl. dazu:  Fritz Karpfen:  „… gesandt zu verkünden …“. O.R. Schatz, Österreichs Maler der Gegenwart, Kämpfer um der Gerechtigkeit Willen. In:  Die Zeit. Halbmo- natsschrift für Kunst, Kultur und Politik, H.  10/1949, S.  11–13. 54 Schatz, Ein Künstler erzählt von sich selbst, S.  352.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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