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Evelyne
Polt-Heinzl326
beiden unorthodoxen Herren scheinen sich vom ersten Moment an sympathisch
gewesen zu sein. Am 20. April 1946 überbringt Schatz – Matejka beschreibt die
Szene in seinen Erinnerungen reichlich grotesk – seine Mappe Zlata Praha (dt.
Goldenes Prag) mit zehn 1944 in Prag entstandenen Aquarellen und der Wid-
mung: „Herrn Stadtrat Dr. Viktor Matejka, dem unentwegten Bekämpfer der
Schlafkrankheit in und außer dem Rathaus herzlichst gewidmet.“55 Matejka
improvisierte damit umgehend eine Ausstellung im Rathaus, bei der die Wid-
mung programmgemäß für einige Aufregung in der Beamtenschaft sorgte. 1947
schrieb Matejka das Vorwort zu Schatz’ Mappe mit 18 Holzschnitten nach Peter
Roseggers Roman Jakob der Letzte, und Matejka vermittelt Schatz immer wieder
Arbeitsmöglichkeiten, bei Publikationen der Gemeinde Wien,56 beim Österrei-
chischen Tagebuch oder beim Globus Verlag. Hier erschien 1949 auch eine Buch-
ausgabe seiner 1941 entstandenen Mappe Das war der Prater57 mit 48 Aquarellen.
Im Rahmen der Initiative „Kunst am Bau“ schuf Schatz bereits in der Ersten
Republik Fresken in der Bücherei der Wohnanlage Sandleitenhof im 16. Bezirk
und in der später ausgebombten Arbeiterhochschule in Döbling. In den 1950er
Jahren entstehen Mosaike und Wandbilder an sechs Wiener Gemeindebauten
und einer Volksschule im 22. Bezirk. „Meinen Gemeindeauftrag hab ich beendet,
und alles ist zufrieden. Architekt und Rathaus, also was will man mehr […][.]
[E]s fehlt das Zusammenarbeiten. Die richtige Gemeinschaft mit dem auf ‚lange
Sicht‘ planen“,58 schrieb er am 2. September 1950 an Josef Luitpold Stern. Das
dürfte sich auf die beiden Sgraffitowandbilder Die vier Elemente am Gemeinde-
bau in Wien Meidling, Hohenbergstraße 24–32, beziehen. Die Kachelmosaike
für den Wiener Westbahnhof hingegen wurden nicht realisiert, obwohl Schatz
für sein Projekt prämiert wurde. Ein 40 Quadratmeter großes Fresko über den
55 Viktor Matejka:
Das Buch Nr.
3. Hg. v.
Peter Huemer, Vorw. v.
Johannes Mario Sim-
mel. Wien: Löcker 1993, S. 132.
56 Z.B. Hans Riemer (Hg.): Wohlfahrtsstaat Wien. 30 Jahre Bundesland Wien.
Wien: Österreichische Zeitschriften-Verlagsgesellschaft 1950; Karl Ziak: Neun Kin-
der aus Österreich. Ein Heimatbuch für die Jugend. Wien: Verlag des Österreichi-
schen Gewerkschaftsbundes 1950; Lebendige Stadt. Literarischer Almanach 1959. Hg.
v.
Amt für Kultur und Volksbildung der Stadt Wien. Wien:
Jugend und Volk 1957 und
1959; Österreich-Panorama. Unsere Heimat in Wort und Bild, in Karten und Zahlen.
Ill. v.
Otto Rudolf Schatz u.
Wilfried Zeller-Zellenberg. Wien:
Europa Verlag/Forum
Verlag 1962. Der Einband zu diesem Buch war Schatz’ letzte Arbeit.
57 O.R. Schatz: Das war der Prater. Mit einer historischen Skizze von Adelbert Muhr.
Wien: Globus Verlag 1949.
58 Brief von Otto Rudolf Schatz an Josef Luitpold Stern (2.9.1950). Wien-Bibliothek im
Rathaus, Handschriftensammlung, HIN 197.984.
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Titel
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Untertitel
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Autor
- Primus-Heinz Kucher
- Herausgeber
- Rebecca Unterberger
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 466
- Kategorie
- Kunst und Kultur