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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 333 -
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Österreich und der sowjetische Konstruktivismus 333 Die geringe, oft auch negative Berichterstattung zu österreichischer Baukunst in Deutschland ist nicht zuletzt deshalb überraschend, da es innerhalb ver- schiedener Gruppierungen, etwa im Werkbund oder in der Architektenver- einigung Das Neue Frankfurt, zu zahlreichen Kooperationen kam.13 Das Neue Frankfurt unter der Leitung von Ernst May zum Beispiel hatte sowohl zu russischen als auch österreichischen Architekten sehr gute Verbindungen, so etwa zu Margarethe Schütte-Lihotzky,14 die ein aktives Mitglied von Das Neue Frankfurt war. Daneben kooperierte auch Adolf Loos mehrfach mit der Ver- einigung.15 Am Bauhaus, das im deutschsprachigen Raum wohl die intensivsten Kontakte mit den sowjetischen Konstruktivisten pflegte, war die Präsenz öster- reichischer Studierender und Lehrender dagegen gering,16 sodass diese euro- päisch-sowjetischen Verbindungen nicht zur Vernetzung der österreichischen Architektur ins Ausland dienen konnten. Umgekehrt blieb die Beteiligung erstrangiger internationaler Architekten, die anderswo  – so auch bei tsche- choslowakischen Projekten  – häufig erfolgte,17 in Österreich fast zur Gänze aus. Zwar sollte die Wiener Werkbundsiedlung, die zu Beginn der 1930er Jahre unter der Leitung von Josef Frank entstand, mit ihren Musterhäusern ebenfalls ein breit gefächertes und internationales Repertoire repräsentieren, interna- tionale Größen blieben dem Projekt allerdings fern. Während die Stuttgarter Weißenhofsiedlung, die als Vorbild für die Wiener Werkbundsiedlung diente, 13 Die in Berlin herausgegebene Zeitschrift Die Baugilde firmierte längere Zeit als gemeinsame „Zeitschrift des Bundes Deutscher Architekten B.D.A.  und der Zent- ralvereinigung der Architekten Österreichs“. 14 Schütte-Lihotzky war neben Ernst May das prominenteste und wichtigste Mitglied der Vereinigung (vgl. Charles S. Chiu:  Women in the Shadows. Mileva Einstein-Marić, Margarete Jeanne Trakl, Lise Meitner, Milena Jesenská, and Margarete Schütte-Li- hotzky. Introduction and Translation by Edit Borchardt. New  York u.a.:  Peter Lang 2008 (= Austrian Culture, Vol.  40), S.  182). 15 Die österreichischen Verbindungen zum „Neuen Frankfurt“ lassen sich an der regen Vortragstätigkeit österreichischer Konstrukteure und Architekten ebenso ablesen wie an den zahlreichen Kooperationen und gemeinsamen Ausstellungen, zu der etwa eine in mehreren deutschen Städten gezeigte Schau anlässlich des 60. Geburtstages von Adolf Loos zählt. Loos schien überdies des Öfteren als Beiträger der gleichnamigen Zeitschrift Das Neue Frankfurt auf (vgl. z.B. Red.:  Unsere Ausstellungen. In:  Das Neue Frankfurt, Nr.  6/1931, S.  113f.). 16 Franz Singer und Friedl Dicker, die beide aus Wien stammten, blieben die einzigen österreichischen Studierenden der Architektur-Klasse am Bauhaus. 17 Hier sei etwa die von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Villa Tugendhat in Brno/ Brünn genannt.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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