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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 335 -
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Österreich und der sowjetische Konstruktivismus 335 zahlreicher österreichischer Intellektueller in die Sowjetunion führte,22 doch überraschend. Astrid Gmeiner und Gottfried Pirhofer sehen die Gründe für die vergleichsweise verhaltene Teilhabe23 österreichischer Akteure am internatio- nalen avantgardistischen Diskurs „in der ‚bis zuletzt‘ erfolgreichen Politik der Monarchie, avantgardistische Tendenzen zu dämpfen und zu integrieren, vor allem aber sind sie in den Konsequenzen des verlorenen Kriegs für Österreich und Wien zu suchen“.24 3 Rezeption österreichischer Architektur in der Sowjetunion Trotz einer auf den ersten Blick relativ geringen internationalen Wahrnehmung nahm Wien bereits früh eine Vorreiterrolle innerhalb des „Neuen Bauens“ ein. Als andernorts die Utopie des leistbaren „Wohnens für Alle“ noch auf programma- tischer Ebene verkündet wurde, erfuhr sie in Österreich bereits eine Umsetzung in die Realität. Im sozialdemokratischen Wien war man mit der Konstruktion von kommunalen Wohnbauten, die bereits unmittelbar nach Ende des Krieges einsetzte, vielen utopischen Konzepten der Avantgarde auf praktischer Ebene um einen Schritt voraus. Die Gemeindebauten der 1920er Jahre wiesen eine Vielzahl jener Elemente auf, die in der konstruktivistischen Architektur eben- falls essentiell wurden. Sie antizipierten somit jene revolutionären Konzepte, die kurze Zeit später in der Sowjetunion von der Avantgarde (teilweise) realisiert wurden. Dass die erste Einbauküche, die sogenannte „Frankfurter Küche“, von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entworfen worden ist, mag auch ihrem frühen Umfeld in Österreich geschuldet gewesen sein, wo sie bereits an Projekten zur kommunalen Wohn-Idee teilgehabt hat. Als besonders wich- tig für ihre Zeit als Architektin in Wien erweisen sich die Planung von Arbei- terwohnungen und ihre Studien zum Wohnen für sozial Schwache, wobei sie 22 Hier sei auf Otto Neurath verwiesen, der 1931 in die Sowjetunion eingeladen wurde, um das sowjetische Institut für Bildstatistik („IZOSTAT“) zu gründen. Neurath stand in Moskau in engem Kontakt mit ausländischen Architekten und nahm dort, wie aus seiner Korrespondenz mit Bruno Taut hervorgeht, auch an Versammlungen des rus- sischen Architektenverbandes teil (vgl. Bruno Taut an Franz Hoffmann (27.11.1932). In:  Barbara Kreis (Hg.):  Bruno Taut. Moskauer Briefe 1932–1933. Schönheit, Sach- lichkeit und Sozialismus. Berlin:  Gebr. Mann 2006, S.  300–308, hier S.  301). 23 Womit ausdrücklich nicht gemeint ist, dass keine künstlerischen Aktivitäten existier- ten. 24 Astrid Gmeiner/Gottfried Pirhofer (Hgg.):  Der Österreichische Werkbund. Alter- native zur klassischen Moderne in Architektur, Raum- und Produktgestaltung. Salz- burg–Wien:  Residenz-Verlag 1985, S.  51.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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