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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 338 -
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Vera Faber338 Im Beitrag werden weder die Funktion noch die Position des Vortragenden genannt, zudem erweist sich die Schreibung des Namens als inkonsistent:  Wäh- rend der Vortragende aus Wien zu Beginn als „Nejdacher“ angeführt ist, wird er später „Neijbacher“ genannt. Tatsächlich handelte es sich um Hermann Neu- bacher, der seit Beginn der 1920er Jahre als Vorstand der GESIBA36 und seit 1928 als Direktor des von Josef Frank und Josef Hoffmann reorganisierten Werkbun- des fungiert. Hier soll nicht unerwähnt bleiben, dass Neubacher zwischen 1938 und 1940 unter den Nationalsozialisten das Wiener Bürgermeisteramt beklei- dete und somit nicht unwesentlich an der Delogierung der jüdischen Bevölke- rung Wiens beteiligt war:  Dies stellt ein viel zu wenig aufgearbeitetes Kapitel der Wiener Stadtgeschichte dar.37 Obwohl das Interesse an der österreichischen Architektur von russisch-kons- truktivistischer Seite offenbar nur recht dürftig ausfiel, wurde in der frühen Phase des „Neuen Bauens“ noch ein prägnanter österreichischer Einfluss auf die sowjetische revolutionäre Architektur konstatiert, die zu dieser Zeit außerhalb Russlands noch wenig rezipiert wurde. Die 1925 in Paris durchgeführte Exposi- tion Internationale des Arts décoratifs et Industriels Modernes bot den russischen Konstruktivisten erstmals die Möglichkeit, ihre Arbeit einer breiten ausländi- schen Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Ausstellungskatalog betont zwar den innovativen Ansatz des russischen Beitrags, verweist jedoch gleichzeitig auf die klar erkennbare Prägung durch westeuropäische Architekten. Neben Le Corbu- sier, Walter Gropius und André Lurçat wird auch Josef Frank als wichtiges Vor- bild für die russische konstruktivistische Architektur angeführt: [E] lle [l’Union soviétique, VF] présentent une analogie frappante avec les œuvres de Le Corbusier, André Lurçat, Walter Gropius, de Dessau, Frank, de Vienne, artistes pour qui les architeƈtes de la Russie nouvelle ne dissimulent pas leur admiration. Dans un pays ou les idées & les théories sont si puissantes, comment s’étonner de voir triompher le modernisme le plus dépouillé de toute concession aux habitudes anciennes?38 36 Die GESIBA (Gemeinwirtschaftliche Siedlungs- und Baustoffanstalt) war maßgeblich an der Entstehung der frühen Wiener Gemeindebauten beteiligt. 37 Neubacher trat bereits 1933 der NSDAP bei und wurde später auch deren illegaler Parteiführer; vgl. den biografischen Aufriss unter:  http://www.werkbundsiedlung- wien.at/de/biografien/hermann-neubacher-1/ (letzter Zugriff:  15.6.2016). 38 Impr. nationale (Hg.):  Ausstellungs-Katalog:  Encyclopédie des Arts Decoratifs et Industriels Modernes au XXéme Siecle. Vol.  2. New  York–London:  Garland Publi- shing 1977 [Faksimile-Nachdruck], S.  77.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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