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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 343 -
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Österreich und der sowjetische Konstruktivismus 343 Konstruktivismus bezieht, lässt sich die Kritik auch auf dessen russisches Pen- dant applizieren, das die eigene Strömung gleichfalls ins Zentrum unausgesetzter Diskussionen rückt. Dass der russische Konstruktivismus bei Frank im Weiteren nur kurz erwähnt wird, weltweite Phänomene in China, den USA, Ostasien und Nordafrika dagegen sehr wohl beleuchtet werden, überrascht nicht zuletzt in Anbetracht der starken Verknüpfung von deutschem und russischem Konstruk- tivismus. Die Wertschätzung für russische Erscheinungen, denen Frank generell nicht viel Interesse entgegenbringt, scheint jedenfalls gering. Frank fasst sie in seinem Buch im Kapitel „Erschütterungen“ wie folgt zusammen: Oder wird die religiöse Idee des Kommunismus das kunstfeindliche Prinzip so stark verkünden, daß jede Kunst zur Lüge wird? Der Weg der russischen Kunst ist in dem der Gotik, mit ihrer ganzen Sehnsucht nach dem Leben und voll von mystischen Regeln, vorgezeichnet; sie ist eine Kunst, die sich vorläufig wie jeder schwach fundierte Ästheti- zismus in Grotesken, Parodien, Übertreibungen und Selbstironie gefällt, sich selbst auf die Stufe des Handwerks herunterdrückt und dann hauptsächlich an ihren Grenzgebie- ten, wie Theater, Kino und Dekoration, ihre Erfolge hat. Die Adaptierung der Kunst für praktische Werbebelange ist hier ebenso schnell vor sich gegangen wie die der antiken Kunst für christliche Belange. Wir sehen hier auf den Trümmern einer antiken Kultur eine Art Mittelalter, das neue Menschen und neuen Glauben vereinigt; aber wir brau- chen es nicht, da wir sein Ende und seine Erlösung kennen.56 Des Weiteren bezeichnet Frank die Betonung des Modern-Formalen als „immer dort, wo sie betont als Zweck auftritt, verdächtig“.57 Den Anspruch an die Archi- tektur, allein dem Bedürfnis zu dienen und nicht der Repräsentation, lehnt Frank ab:  Begriffe wie „Gebrauchswohnung“ und „Zweckmöbel“ würden, „jede Forderung für Zweck und Gebrauch verleiden“.58 Funktionalismus, Konstruk- tivismus und Elementarismus seien allein deshalb aufgekommen, um „neue Arten der Dekoration zu betreiben, die sich heute nicht mehr mit dem Schmuck des fertigen Gegenstandes befassen, sondern alles ergreifen, vom Grundriß bis zur Orthografie“.59 Frank sieht den modernen Stil insofern als gescheitert an, als er von seiner Zielgruppe, der untersten Klasse, nicht begrüßt werde: Die Architektur ist heute das Symbol sozialen Kampfes und Machtbesitzes und war dies zweifellos zu jeder Zeit. […] Der neue Stil ist aber auch ein Beruhigungsmittel für das 56 Ebd., S.  186f. 57 Ebd., S.  115. 58 Ebd., S.  129. 59 Ebd.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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