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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 355 -
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Russland-Diskurse in der Zeitschrift Sowjet 355 Umwälzungen anzuwendenden „Strategien“, dann dem hinter dem Revolutions- gedanken stehenden Ziel einer neuen Gesellschaftsordnung und schließlich der Rolle, die der Kultur und insbesondere der Literatur im revolutionären Prozess zukommen soll. 1 Intellekt und/oder Gewalt? [D] ie kulturellen Aufgaben der kommunistischen Gesellschaft, die Methoden ihrer praktisch-ökonomischen Tätigkeit und ihre geistige und sittliche Bestimmung sind nicht mehr müssige [sic] Fragen vager Utopisten, deren Streben innerhalb der gege- benen Umwelt keinen Angriffspunkt findet und daher fernliegende Ziele sucht, son- dern Probleme von höchster Aktualität, die eine Antwort heischen, bevor das Werden das Bewußtsein überrumple, und denen die lebendige Wirklichkeit reiche Quellen der Erkenntnis bietet. Die Revolution wird nur jene nicht unvorbereitet antreffen, deren Gewissen über den Tag der Revolution hinausgedrungen ist.15 Dies ist im ungezeichneten,16 vermutlich von Otto Kaus verfassten „Programm“ im ersten Heft des Sowjet zu lesen, in dem der intellektuelle Anspruch der Zeit- schrift hervorgehoben wird. Die Aktionsprogrammatik der russischen Revo- lution beschwört der Herausgeber als zwar notwendige Voraussetzung (und lehrreichen Erfahrungsschatz) auf dem Weg hin zur „Befreiung der Menschheit aus wirtschaftlicher Not und seelischer Schmach“,17 allerdings „ist eine soziale Revolution ohne die Mitwirkung dieser fortgeschrittensten Hand- und Kopf- arbeiter nicht denkbar“.18 Folglich wende sich die neu gegründete Zeitschrift nicht nur „an die Denkenden unter den Arbeitern, denen die Beziehung zur neuen Gesellschaft über die zufälligen Bestimmtheiten ihrer gegenwärtigen Lage nicht genügt“, sondern „an die Denkenden aller Kreise, denen kein Bangen um sinnliche Gewohnheiten und keine mittelbare oder äußere Abhängigkeit von der Tyrannei ihres Besitzes ihre Objektivität verwehrt“.19 Das Postulat nach Geist, Intellekt, Kultur und Bildung setzen auch die weiteren Beiträge dieses Heftes fort:  Die Russen werden darin zwar als „Taktiker der revolutionären Aktion“ und „systematische Strategen der Massenaktion“20 gefeiert, letztendlich aber die 15 N.N.:  Programm. In:  Sowjet, H.  1/1919, S.  1–14, zit. S.  1f. 16 Mit Ausnahme der beiden Gedichtabdrucke von Bezruč und Sonnenschein erschei- nen alle Beiträge der ersten Sowjet-Nummer anonym. 17 N.N.:  Programm. In:  Sowjet, H.  1/1919, S.  1. 18 Ebd., S.  11. 19 Ebd., S.  12. 20 N.N.:  Marxdämmerung? In:  Sowjet, H.  1/1919, S.  28–51, zit. S.  45 [Hervorhebung im Original].
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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