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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 358 -
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Veronika Hofeneder358 ihrem Adoptivvater, ehemaligen Liebhaber und Mäzen Josef Kranz, sondern vor allem auch als theoretisches Fundament für den Altar zu lesen, der ebenfalls das rein materielle, auf Repräsentation ausgerichtete Kunstverständnis des Bürger- tums kritisiert. Der in Kaus’ Beitrag offenbare gewaltbereite Anarchismus entspricht durch- aus den übrigen Artikeln dieses Heftes und wird zudem in den beiden das Heft beschließenden Gedichten, Steinklopfer von Hugo Sonnenschein und Der Berg- mann von Petr Bezruč, auf literarischer Ebene bestätigt. Sonnenscheins Stein- klopfer  – das Gedicht ist bereits 1910 als Slovakischer Steinklopfer im Lyrikband Ichgott, Massenrausch und Ohnmacht27 erschienen  – arbeitet hart, kann aber trotzdem Frau und Kinder nicht hinreichend ernähren. Schuld an seinem Elend sind die Besitzenden der Gesellschaft, „die satten Mauscheljuden“, die „Groß- bürger und Pfaffen“.28 Eine direkte Aufforderung an den Geknechteten zu revo- lutionärem Aufbegehren ist die Folge: Stehe doch auf, du Mann am Wege, nimm den Hammer, wecke Grausen, lass die wilden Hammerschläge auf die Satten niedersausen!29 Angesichts der desaströsen sozialen Umstände bleibt als Perspektive nur die Gewaltanwendung als aufrührerische Geste.30 Auch das Gedicht des tsche- chischen Schriftstellers Bezruč, das bereits 1909 in der Sammlung seiner Slez- ské písně und in deutscher Übersetzung 1926 als eines der Schlesischen Lieder publiziert wurde, führt in das Milieu unterjochter Bergarbeiter.31 Die sozial- revolutionären Schlesischen Lieder entstanden bereits im letzten Jahrzehnt des 19.  Jahrhunderts und wurden während des Ersten Weltkriegs in Österreich ver- boten. Der Bergmann, den das Gedicht zwar nicht eindeutig, aber exemplarisch in den ehemals schlesischen (heute polnischen) Ortschaften Dombrau, Orlau, Poremba oder Lazy lokalisiert, sorgt sich nicht nur um die Ernährung und das Wohlergehen seiner Familie, sondern beklagt auch die harten und unwürdigen Arbeitsbedingungen: 27 Hugo Sonnenschein:  Ichgott, Massenrausch und Ohnmacht. Die Utopie des Hero- strat. Ein Akt. Paris–Wien:  Verlag der freien Gemeinschaft Utopia 1910, S.  142. 28 Ders.:  Steinklopfer. In:  Sowjet, H.  1/1919, S.  72. 29 Ebd. 30 Vgl. Dieter Wilde:  Der Aspekt des Politischen in der frühen Lyrik Hugo Sonnen- scheins. Frankfurt a.M.  u.a.:  Peter Lang 2002, S.  91. 31 Vgl. Petr Bezruč:  Lieder eines schlesischen Bergmanns. Zweiter Band der Schlesischen Lieder. Übersetzt von Rudolf Fuchs. München:  Kurt Wolff 1926, S.  50–52.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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