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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 363 -
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Russland-Diskurse in der Zeitschrift Sowjet 363 sich vor allem als Übersetzer der Gedichte seines tschechischen Landsmannes Bezruč einen Namen gemacht, ist jedoch auch mit eigenen Werken in Erschei- nung getreten. Sein in jener Nummer des Sowjet abgedrucktes Gedicht Droh- nenschlacht verhandelt die Aufforderung zur Revolution mittels der Metapher der Bienenmännchen, die als faule Nutznießer fremder Arbeit für die besitzende Klasse stehen. Der Titel verweist auf die alljährlich von den Arbeitsbienen voll- zogene Vertreibung der Drohnen aus dem Bienenstock, die nach der Begattung der Königin nicht mehr benötigt werden.47 Das Gedicht endet im die christli- che Symbolik aufgreifenden und damit wieder auf Tolstoj verweisenden Bild der besitzenden Klasse, die zuerst fallen müsse, um dadurch ihre geistige Erhöhung zu erwirken: Das müssige [sic] Geschlecht in unseren Ständen, das aller Werk verschleudert und verrät, die Prasser, die uns vor dem Himmel schänden, hinweg damit aus unsern Wänden  – Sie sollen enden! Denn ihr Fall erhöht.48 3 Kultur und Literatur Ein ebenfalls in Debatten zu Tolstoj stets wiederkehrendes Thema, nämlich das Verhältnis des Volkes zu Kunst und Kultur, kann durchaus als Leitthema der ersten Nummern des Sowjet bezeichnet werden. In ihrer Theaterkritik zollt Gina Kaus Tolstoj dafür Bewunderung, dass er als gefeierter Dichter die alltägliche Arbeit des Bauern „höher wertet  als Philosophie und Dichtkunst“49 und diesem daher auch den Zugang zu den höchsten Freuden des Lebens, der Beschäfti- gung mit Kunst und Wissenschaft, ermöglichen möchte. Der Stellenwert der kulturellen Bildung der Massen wird dann nochmals in Textfragmenten über 47 Vgl. Ralph Dutli:  Das Lied vom Honig. Eine Kulturgeschichte der Biene. Göttin- gen:  Wallstein 2012, S.  16. 48 Rudolf Fuchs:  Drohnenschlacht. In:  Sowjet, H.  2/1919, S.  43f., zit. S.  43. Weitere Übersteigerungen des Revolutionären ins Religiöse finden sich auch wieder in den im vierten Heft abgedruckten Gedichten von Sonnenschein (Weltherbst 1919, Ver- söhnung und Oh, Wahrheit), der sich als Bruder Sonka zum Heilsverkünder stilisierte, sowie in jenen von Rudolf Hartig im letzten Heft des ersten Jahrgangs (Allmächtig ent- steigt bald allen Herzen der gute Prophet …, Gott wird euch fragen …; vgl. Hugo Son- nenschein:  Drei Gedichte. In:  Sowjet, H.  4/1919, S.  29–31; Rudolf Hartig:  Gedichte. In:  Sowjet, H.  10–11/1920, S.  51–53). 49 A.E. [d.i. Gina Kaus]:  Tolstoi:  „Und das Licht scheinet in der Finsternis“. In:  ebd., S.  34–43, zit. S.  37.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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