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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 371 -
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Russische Literatur in der Roten Fahne 371 Hypothese, dass sich auf den Seiten des Blattes eine breitere, durch die grundle- genden historischen Veränderungen zusätzlich noch befeuerte Berichterstattung zur politisch links orientierten Kunst der russischen Avantgarde finden könnte. Was die kulturpolitische Linie der Zeitung wesentlich prägte, war vielmehr eine weitgehende Hörigkeit in Richtung Moskau, die sich auch über den regelmäßig wiederholten Appell an die Arbeiterschaft, das Moskauer Radioprogramm zu hören, manifestierte:  „Hört Moskau!“6 Für eine eigenständige, von den jeweils gerade in der Sowjetunion ausgegebe- nen politischen Direktiven unabhängige Auseinandersetzung mit neuen künst- lerischen Strömungen war in der Roten Fahne offensichtlich kein Platz.7 Deutlich wird dies etwa an der Positionierung gegenüber Lev Trockij:  Anfangs noch neben Lenin und Stalin als einer der zentralen politischen und ideologischen Köpfe der bolschewistischen Führung herausgestellt, avanciert er im Zuge seiner politischen Marginalisierung in der Sowjetunion aber rasch zur „Unperson“. Um dessen ungeachtet einen einigermaßen aussagekräftigen Querschnitt durch die Jahrgänge der Roten Fahne in Bezug auf die Präsenz russischer Lite- ratur zu bieten, orientiert sich der vorliegende Beitrag an den Todesdaten dreier im Kontext von Moderne und Avantgarde zentraler Dichter der russischen Lite- ratur des frühen 20.  Jahrhunderts:  Aleksandr Blok, Sergej Esenin und Vladi- mir Majakovskij. Diese drei Autoren bieten sich darüber hinaus auch insofern als produktiver Orientierungspunkt an, als sie stellvertretend für drei zent- rale Gruppierungen der russischen Literatur stehen:  Blok zählt neben Andrej Belyj und Vjačeslav Ivanov zu den wichtigsten Vertretern des mythopoetischen 6 Vgl. etwa die Ausgabe vom 13.4.1930, wo auf S.  8 am oberen Seitenrand rechts neben der Überschrift „Arbeiter-Radio“ Sendemasten mit der graphischen Erläuterung „Moskau“ abgebildet sind; weiter unten auf der Seite findet sich dann unter dem Titel „Hört Moskau!“ eine Notiz, die auf eine Sendung der sowjetischen Gewerk- schaften hinweist, in der ausländische Bauarbeiter u.a. auch aus Österreich über ihre Situation in der Sowjetunion berichten. Vgl. dazu:  Jurij Murašov:  Das elektrifizierte Wort. Das Radio in der sowjetischen Literatur und Kultur der 20er und 30er Jahre. In:  ders./Georg Witte (Hgg.):  Die Musen der Macht. Medien in der sowjetischen Kultur der 20er und 30er Jahre. München:  Fink 2003, S.  81–112. 7 Diese Orientierung in Richtung Sowjetunion dürfte nicht zuletzt auch mit der finan- ziellen Unterstützung der Roten Fahne von ebendieser Seite her zusammenhän- gen:  „Auf der anderen Seite existierte die ‚Fremdfinanzierung‘, die Subventionierung der Presse aber auch der Partei aus Finanzmittel [sic] der Komintern und damit vor allem der Sowjetunion. Dieser ‚Geldfluß‘ aus der Sowjetunion wurde immer wieder als ein beliebtes Argument einer ‚Rußlandhörigkeit‘ der KPÖ verwendet.“ (Selber, Parteilinie, S.  126.)
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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