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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 372 -
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Stefan Simonek372 Symbolismus, der im Unterschied zur ersten, frankophilen Generation der rus- sischen Symbolisten insgesamt zur deutschen Kultur hin orientiert gewesen ist. Esenin firmiert als der mit Abstand bedeutendste Repräsentant des russischen Imaginismus, und Majakovskij hat sich gemeinsam mit Velimir Chlebnikov und Aleksej Kručёnych zur Gruppierung der russischen Kubo-Futuristen zusam- mengeschlossen, der vielleicht bedeutendsten Kraft innerhalb der russischen Avantgarde. Der frühe Tod Bloks und der Freitod Esenins beziehungsweise Majakovskijs (inklusive der jeweiligen Abschiedsgedichte und Majakovskijs in Gedichtform gekleidete Kritik an Esenins Entscheidung für die Selbsttötung) riefen in der russischen Öffentlichkeit starke Reaktionen hervor.8 In Kombination mit der Berichterstattung über die Beisetzung der Poeten schrieb sich hier das symbo- lisch aufgeladene Narrativ vom Tod des Dichters fort, für das der Duelltod Alek- sandr Puškins im Jahre 1837 prägend blieb.9 Zudem lenkt die chronologische Abfolge der genannten Todesfälle der Jahre 1921, 1925 und 1930 den Blick auf ein Jahrzehnt russischer Literatur in ihren postrevolutionären Evolutionsschritten:  vom Kriegskommunismus über die Zeit der NĖP, der „Neuen Ökonomischen Politik“ Mitte der 1920er Jahre, bis hin zur sukzessiven Monopolisierung und Reglementierung des kulturellen Lebens am Ende des Jahrzehnts, die Majakovskij in seinen späten, dystopischen Komödien Klop (dt. Die Wanze) und Banja (dt. Das Schwitzbad) satirisch zur Darstellung gebracht hat. Über die Lebens- und die Kunsttexte der drei Dichter lassen sich somit diese drei „Entwicklungsphasen“ des kulturellen Lebens in der Sowjet- union im ersten Dezennium ihres Bestehens zu Symbolismus, Imaginismus und Futurismus in Beziehung setzen. 8 Zum Tode Bloks vgl. Avril Pyman:  The Life of Aleksandr Blok. Vol.  II:  The Release of Harmony 1908–1921. Oxford–London–New  York:  Oxford University Press 1980, S.  374–380; zu Bloks Begräbnis vgl. Wolfgang Stephan Kissel:  Der Kult des toten Dichters und die russische Moderne. Puškin  – Blok  – Majakovskij. Köln–Weimar– Wien:  Böhlau 2004, S.  97–103. 9 Zu Puškins Begräbnis als kulturellem Faktum der russischen Kultur bis 1921 (das Todesjahr Bloks) vgl. Kissel, Kult des toten Dichters, S.  23–95; zur ideologischen Funktionalisierung des Dichtertodes gerade auch Puškins im sowjetischen Kontext vgl. Rainer Grübel:  Gabe, Aufgabe, Selbstaufgabe:  Dichter-Tod als Opferhabitus. Zur Genese des sowjetischen Personenkultes aus Dichtertod, Lenin- und Puškingeden- ken. In:  Klaus Städtke (Hg.):  Welt hinter dem Spiegel. Zum Status des Autors in der russischen Literatur der 1920er bis 1950er Jahre. Berlin:  De Gruyter 1998, S.  139–204.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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