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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 377 -
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Russische Literatur in der Roten Fahne 377 stürzen kann, ist Ehrlichkeit nicht einmal ein Milderungsgrund, geschweige denn eine Ausrede. Die Zeit ist zu ernst, die Gefahr zu groß.25 Für die Rote Fahne avancierte Merežkovskij ganz offensichtlich rasch zu einem bevorzugten politischen Gegner. So ist sein Name am 27. August erneut gleich auf der ersten Seite des Blattes zu finden, diesmal in einer mit „Wer wird Sowjet- rußand helfen?“ betitelten Invektive gegen die adeligen Damen und die Schma- rotzer der weißen Emigration: Das ganze „vornehme“ Gesindel, das in Konstantinopel und in Belgrad, in Paris, in Berlin und Wien ein klägliches Dasein fristet, die Parteien […][,] die im Exil ihre schmutzige Wäsche waschen, die adeligen Damen, die Gardeoffiziere, die Dichter (Mereschkowsky), die Schmarotzer ohne Beruf  – sie alle sehen eine neue Mission vor sich:  das russische Volk von neuem an die Kette zu legen.26 2 Die Rote Fahne im Dezember 1925 Am 28.  Dezember  1925 erhängte sich der Dichter Sergej Esenin im Alter von nur dreißig Jahren in einem Zimmer des Hotels Angleterre in Leningrad, nach- dem er sich zuvor die Pulsadern aufgeschnitten und mit seinem eigenen Blut sein letztes Gedicht Do svidan’ja, drug moj, do svidan’ja geschrieben hatte.27 Paul Celan übersetzte die Zeile späterhin mit:  „Freund, leb wohl. Mein Freund, auf Wiedersehen“,28 der aus dem niederösterreichischen Waldviertel stammende Wilhelm Szabo mit:  „Freund, ade! Abschied zu nehmen heißt es“.29 25 Felix Salten:  Der Angeklagte Gorkij. Aus dem Archiv des Pester Lloyd. Online unter:  http://www.pesterlloyd.net/html/1921saltengorkiangeklagt.html. 26 N.N.:  Wer wird Sowjetrußland helfen? In:  RF (27.8.1921), S.  1f. 27 Zu Esenins letzten Lebenstagen und seinem Begräbnis vgl. Fritz Mierau:  Sergej Jes- senin. Leipzig:  Reclam 1991, S.  416–436; Stanislav Kunjaev/Sergej Kunjaev:  Sergej Esenin. Moskva:  Molodaja gvardija 1995, S.  505–563; zu Esenins Gedicht Do svi- dan’ja, drug moj, do svidan’ja vgl. P. Glušakov:  Igra so smert’ju v stichotvorenii Sergeja Esenina „Do svidan’ja, drug moj, do svidan’ja …“. In:  Voprosy literatury, Nr.  6/2014, S.  276–300. 28 Celan, Gesammelte Werke, S.  277; zu Celans Auseinandersetzung mit Esenins Werk vgl. Ivanović, Geheimnis der Begegnung, S.  129–158. 29 Sergej Jessenin:  Trauer der Felder. Gedichte. Nachdichtungen von Wilhelm Szabo. Salzburg-Bad Goisern:  Stifterbibliothek Salzburg und Verlag der Neugebauer PRESS Bad Goisern 1970, S.  65. Zu Szabos Übersetzungen vgl. Antonia Zembaty:  Wilhelm Szabo als Übersetzer von Sergej Esenin. Diplomarbeit Wien 2013; zu deutschen Ese- nin-Übersetzungen vgl. F[ritz] Mierau:  Deutsche Esenin-Übersetzungen. In:  Zeit- schrift für Slawistik, Nr.  3/1966, S.  317–330.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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