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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 379 -
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Russische Literatur in der Roten Fahne 379 fünfzehnten Todestags.35 Über den gesamten Monat erstreckte sich der Nach- druck von Aleksandr Serafimovičs Roman Železnyj potok, der 1925 unter dem Titel Der eiserne Strom. Roman aus der russischen Revolution 1917 in der Über- setzung von Eduard Schiemann36 im Neuen Deutschen Verlag (Berlin) erschie- nen ist. Von besonderer Bedeutung ist der Abdruck der Erzählung Sol’ (dt. Salz) aus Isaak Babel’s berühmtem Erzählzyklus Konarmija (dt. Die Reiterarmee):  Am 6.  Dezember:  1925 hatte der Berliner Malik-Verlag37 eine Übersetzung von Dmi- trij Umanskij, der die Texte aus einem russischen Manuskript heraus übertragen hatte, veröffentlicht; die russische Ausgabe erschien erst 1926.38 Im Zeichen der Technik des „skaz“,39 einer Art Sprachmaske, hinter der sich der Erzähler ver- birgt, gibt die knappe, mit Überlagerungen von Schriftlichkeit und stilisierter Mündlichkeit gestaltete Erzählung in Briefform den Bericht des Revolutionssol- daten Nikita Balmašev wieder. In dem Schreiben berichtet Balmašev unter ande- rem auch von einem Streitgespräch mit einer Frau, die ein eingewickeltes Pud Salz als ihr Kind ausgegeben hat, um mit den Kosaken im Zug mitzufahren. Als die Täuschung auffliegt und die Frau den Soldaten vorwirft, nicht an Russland zu denken und lediglich die Juden, Lenin und Trockij retten zu wollen, weist sie Balmašev zurecht und erklärt: Von den Juden ist jetzt nicht die Rede  – Du [sic] schlechte Bürgerin. Die Juden haben mit dieser Sache nichts zu schaffen. Uebrigens von Lenin weiß ich nichts, doch Trotzki 35 N.N.:  Aus dem roten Rußland. In:  RF (7.12.1925), S.  6. 36 Vgl. N.N.:  Eduard Schiemann. Online unter:  http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_ Schiemann. 37 Zur Funktion der Verlage als Kulturvermittler vgl. Carmen Sippl:  Verlage und Über- setzer als russisch-deutsche Kulturvermittler in der Zwischenkriegszeit. In:  Karl Eimermacher/Astrid Volpert (Hgg.):  Stürmische Aufbrüche und enttäuschte Hoff- nungen. Russen und Deutsche in der Zwischenkriegszeit. München:  Fink 2006, S.  783–803; zu politisch links orientierten deutschen und österreichischen Verlagen zwischen 1917 und 1932 und deren Produktion an russischen Büchern vgl. Hübner, Russische Literatur, S.  78–83 bzw. 132–137. 38 Vgl. Lothar Baier:  Ordnung im Tohuwabohu. „Die Reiterarmee“  – zum hunderts- ten Geburtstag Isaak Babel’s hat Peter Urban eine neue Ausgabe vorgelegt. In:  Zeit Online [8.7.1994]. Online unter:  http://www.zeit.de/1994/28/ordnung-im-tohuwa- bohu; Ulrike Jekutsch:  Isaak Babel’s „Konarmija“ im Deutschland der zwanziger Jahre. In:  Zeitschrift für Slawistik, Nr.  3/2005, S.  255–269. 39 Zur revolutionären Rhetorik in Babel’s Sol’ vgl. Gareth Williams:  The Rhetoric of Revolution in Babel’’s „Konarmija“. In:  Russian Literature, Nr.  3/1984, S.  279–298, hier S.  281–284.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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