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Martin Erian
„Endlich unser Vaterland, Sowjetrußland“
Zu Russland-Diskursen im Feuilleton der Wiener
Roten Fahne
Abstract: The paper presents a panoramic overview of feuilletonistic contributions and
discussions about everyday life of Soviet Russia focussing on the daily newspaper Die
Rote Fahne and covering a wide range of authors:
more known authors, like L.
Körber and
Frida Rubiner and very productive ones, like Otto Heller who has published for example
the novel Sibirien. Ein anderes Amerika (1930), and also essentially smaller texts of lesser
known so called “worker-correspondents”.
„Wien [ist] kein Boden für Bolschewikismus!“1 Karl Schönherrs Befund, von
Arthur Schnitzler am 3. November 1918 im Tagebuch notiert, sollte sich letzt-
lich bewahrheiten, doch in den Tagen des „revolutionären Kleinkriegs“2 1918/19
fürchtete man auch im Nachkriegsösterreich sozialistische Umwälzungen wie in
Budapest und München. Angeführt von der Roten Garde um Egon Erwin Kisch
und Elfriede Eisler-Friedländer, der späteren Ruth Fischer, sorgten die Kommu-
nisten bei der Ausrufung der Republik, als sie die rot-weiß-rote Flagge zerschnit-
ten und einen roten Fetzen vor dem Parlament aufziehen ließen, ebenso wie bei
blutigen Demonstrationen im Frühjahr 1919 für Aufruhr. In den Zwanziger-
jahren sollte sich Wien als Knotenpunkt der Kommunistischen Internationale
in Mitteleuropa etablieren; die im November 1918 gegründete KPÖ blieb jedoch
eine Randnotiz.3 Die Diskrepanz zwischen internationaler Geltung und natio-
naler Schlagkraft zeichnete auch die kommunistische Publizistik in Österreich
aus: Während die österreichische Hauptstadt mehrere von Johannes Wertheim
1 Arthur Schnitzler:
Tagebuch 1917–1919. Wien:
Verlag der Österreichischen Akade-
mie der Wissenschaften 1985, S. 198.
2 Julius Deutsch: Aus Österreichs Revolution. Militärpolitische Erinnerungen.
Wien: Verlag der Wiener Volksbuchhandlung 1921, S. 47.
3 Vgl. Herbert Steiner: Die Kommunistische Partei. In: Erika Weinzierl/Kurt Skalnik
(Hgg.): Österreich 1918–1938. Geschichte der Ersten Republik. Bd. 1. Graz–Wien–
Köln: Styria 1983, S. 317–329; Hannes Leidinger: „Klein-Berlin“: Wien als Stand-
ort der Kommunistischen Internationale von 1919 bis 1927. In: Barry McLoughlin,
ders., Verena Moritz: Kommunismus in Österreich 1918–1938. Innsbruck–Wien–
Bozen: Studienverlag 2009, S.
123–152.
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Titel
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Untertitel
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Autor
- Primus-Heinz Kucher
- Herausgeber
- Rebecca Unterberger
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 466
- Kategorie
- Kunst und Kultur