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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 389 -
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Russland-Diskurse im Feuilleton der Roten Fahne 389 sorgen sollte. Die anhaltenden ökonomischen wie personellen Engpässe hatten einen geringen Blattumfang, Schwächen in der Distribution  – ein Leserkreis bestand nahezu ausschließlich in Wien  – und eine auch durch innerparteiliche Flügelkämpfe begründete hohe Fluktuation zur Folge; vor allem für das Feuil- leton als Leitfiguren dienende AutorInnen wie Paul Friedländer, Leo Lania und Ruth Fischer setzten sich bald in Richtung Berlin ab.6 Aus dem Selbstverständnis des Feuilletons der Roten Fahne, „eine Waffe im Klassenkampf“7 zu sein, resultierte der hohe Stellenwert der Auseinanderset- zung mit der zur Utopie erhobenen Sowjetunion. So lässt sich Dieter Schillers Befund, wonach „[d] as Russland der ‚Roten Fahne‘ […] mehr Wunschbild und Projektion als Wahrnehmung einer gesellschaftliche Realität“8 darstellt, naht- los von Berlin auf Wien übertragen. Schon in den am ersten Parteitag der KPÖ im Februar 1919 beschlossenen Leitsätzen für die Presse wurde die Herausgabe einer „aufklärende[n] Broschüre:  ‚Die Wahrheit über Rußland‘ “9 und später die stärkere Berücksichtigung des Weltgeschehens, „insbesondere aus Rußland, Deutschland, England und den an Oesterreich grenzenden Ländern“,10 gefor- dert. Zwar konnte der 1925 geäußerte Wunsch nach einer „ständige[n] Rubrik über die Lage und Entwicklung Sowjetrußlands“11 nicht erfüllt werden, doch gehörten Russlandberichte  – häufig in Verbindung mit Kritik am kapitalisti- schen Westen  – in allen Teilen des Blattes zu dessen wenigen Konstanten. Als 1932/33 die Illustrierte Rote Woche als populäre Ergänzung zum zuweilen von ideologischen Debatten dominierten Parteiblatt lanciert wurde, diente auch die Aussicht auf Russlandberichte in Wort und Bild als Verkaufsargument:  „Es soll 6 Zur Geschichte der Roten Fahne vgl. Gerhard Moser:  Zwischen Autonomie und Orga- nisation:  Die Arbeiterkorrespondentenbewegung der „Roten Fahne“ in den Jahren 1924 bis 1933. Eine Studie zur Kommunikationspolitik der KPÖ in der 1.  Repu- blik. Wien, Phil. Diss., 1988, bs. S.  165–234; Johannes Wertheim:  Unsere „Rote Fahne“. Anläßlich des Beginnes des 10.  Jahrganges. In:  Die Rote Fahne [fortan RF] (1.1.1927), S.  3 7 Paul Brand [d.i. Emanuel Bruck]:  Das schwierige Feuilleton. In:  RF [Berlin] (11.2.1932), S.  11; vgl. dazu:  Manfred Brauneck:  Die rote Fahne. Kritik, Theorie, Feuilleton 1918–1933. München:  Fink 1973, S.  29–32. 8 Schiller, Parteipflicht, S.  5. 9 N.N.:  Leitsätze für die Presse. In:  Die soziale Revolution (15.2.1919), S.  3. 10 N.N.:  An unsere Parteigenossen! In:  RF (9.10.1924), S.  1. 11 N.N.:  Thesen zur politischen Lage und zur Bolschewisierung der Partei. In:  RF (5.7.1925), S.  8.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹