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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Martin Erian394 Der Hinweis darauf, dass das österreichische Proletariat sich nur ‚hinter vor- gehaltener Hand‘ mit Russland auseinandersetzen dürfe, gehörte zu den feuil- letonistischen Dauerbrennern in der Roten Fahne. Auch der vagabundierende Goldschmied Peter Schnur, der 1921 erstmals in der Roten Fahne publizierte und 1923 im Berliner Malik-Verlag die Erzählsammlung Die Hütte veröffent- lichen konnte, griff das Motiv auf. In Die Wahrheit setzt sich durch erzählt er die Geschichte des Fabrikarbeiters Richard, der revolutionäre Flugblätter verteilt. Diese kontrastieren „Niedergang, Lohnabbau, Arbeitslosigkeit, Not und Elend“ in Österreich mit dem „stürmische[n] Aufbau des Sozialismus“. Seine Schrift zeigt Wirkung, die Zettel in den Taschen der Arbeiter „strömten eine geheim- nisvolle Energie aus“, mit dem Ziel, das „Netz von Verleumdungen […] von der lebendigen Wirklichkeit“26 zerreißen zu lassen. Hans Maier, gelernter Bäcker und mit über 350 meist unter dem Akronym „Hamay“ publizierten Beiträgen zwischen 1921 und 1933 in der Roten Fahne und Zeitschriften aus dem KPÖ-Umfeld produktivster Autor der Bewegung, veröffentlichte zunächst vor allem sozialkritische Skizzen aus dem Wiener Pro- letarierleben, ehe er sich zunehmend dem lyrischen Kommentar des politischen Geschehens zuwandte. 1926 erschien unter dem Titel Sowjetrußland, wir grüßen dich! eine erste flammende Auseinandersetzung mit der „Mutter der Freiheit“: Sowjetrußland, wir lieben dich! So glühend und heiß und mit stolzem Entzücken seh’n wir auf dein Werk, das du kühn vollbracht: frei deine Erde, deine Menschen, Fabriken  – Sowjetrußland, stolze Arbeitermacht  – Sowjetrußland, wir grüßen dich!27 Obgleich Maier mit einem Gedicht auch auf innerrussische Konflikte, nament- lich auf die sogenannten Moskauer „Schädlingsprozesse“ von 1930 gegen Sabo- teure des Fünfjahresplans reagierte, blieb dieser euphorische Ton aus der Ferne kennzeichnend für seine Russland-Feuilletons.28 1931 rief Maier am Jahrestag der Ausrufung der Republik mit einem neuen Hymnentext gar zum Kampf für ein „Sowjet-Oesterreich“.29 26 Peter Schnur:  Die Wahrheit setzt sich durch. In:  RF (9.1.1932), S.  7. 27 Hans Maier:  Sowjetrußland, wir grüßen dich! In:  RF (18.4.1926), S.  5. 28 Vgl. z.B.  ders.:  … Dann bist du ein Sowjetfreund. In:  RF (26.6.1932), S.  6; ders.:  Fünf- zehn Jahr … In:  RF (6.11.1932), S.  9. 29 Ders.:  Zur Republikfeier. Zum alten Lied  – „ein neuer Text“. In:  RF (12.11.1931), S.  8.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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