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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Martin Erian398 stets eine ‚eigene Meinung‘ zu haben“.43 Doch diese wandelt sich im Laufe der Reise, Krause entwickelt Bewunderung für die politische Teilhabe des Proleta- riats. „[H]ier wissen die Leute, wofür sie die Hand aufheben. […] Das ist doch schließlich, was wir Sozialisten anstreben.“44 Krause erkennt ähnlich wie Bruno Frei, der 1929 von der UdSSR als „Vorzimmer der sozialistischen Gesellschaft“45 spricht, die dortige Lage als „Schnittpunkt zwischen dem Gestern und dem Mor- gen“46 und skizziert neue, große Perspektiven. Einzig der Drang, nach der per- sönlichen Läuterung politische Überzeugungsarbeit leisten zu wollen, zieht ihn zurück nach Deutschland. Von der Kritik breiter rezipiert wurde Julius Haydus von den Fortschritten des Fünfjahresplans berichtendes Buch Rußland 1932. Die Russlandreise des BPRSÖ-Mitglieds im November 1931 wurde nicht nur von der VOKS unter- stützt, Haydu stand auch in Kontakt mit der 1929 gegründeten staatlichen Reise- agentur Intourist, die Anfang der 1930er Jahre mehrere Wiener Dependancen besaß und mit Inseraten für Aufsehen sorgte.47 In seinem Bericht nimmt Haydu auf den wirtschaftlich begünstigten kulturellen Wandel hin zur Idee des Neuen 43 Ebd., S.  20. In der Roten Fahne wurden in der Besprechung von Rubiners Buch die „eingestreuten knappen und sachlichen Auseinandersetzungen“ der beiden Reisenden besonders hervorgehoben (vgl. N.N.:  Ein neues Rußlandbuch. Frida Rubiner:  „Der große Strom“. In:  RF (10.5.1931), S.  5). Die Strategie des dialogischen Erschließens der Sowjetrealität wandte Rubiner bereits in der Broschüre Der Arbeiter als Herr im Staate. Ein Gespräch über die Sowjet-Union an, die zwischen 27. August und 2.  Sep- tember  1927 in der Roten Fahne abgedruckt worden war. 44 Rubiner, Strom, S.  264. 45 Bruno Frei:  Im Lande der roten Macht. Ein sowjetischer Bilderbogen. Berlin:  Neuer Deutscher Verlag 1929, S.  95. 46 Rubiner, Strom, S.  313f. 47 Vgl. N.N.:  Frühjahrsreisen in die Sowjetunion. In:  Arbeiter-Zeitung (19.4.1931), S.  10. In Reaktion auf diese Einschaltung für Reisen zu den Maifeierlichkeiten in Moskau, Leningrad, Kiew und Odessa erschien ein Beschluss des SDAP-Parteivorstandes, der Parteimitgliedern die Teilnahme an derlei Reisen als „Bruch der internationalen Solidarität“ (Arbeiter-Zeitung (21.4.1931), S.  4) verbot. Die Rote Fahne titelte darauf- hin:  „Die Arbeiter sollen den Aufbau des Sozialismus nicht sehen“ (RF (22.4.1931), S.  1); zur Intourist vgl. Alexander Vatlin:  „Die Karausche im Rahm“  – Österreichbilder in der sowjetischen Propaganda. In:  Moritz, Gegenwelten, S.  309–346, hier S.  337; Matthias Heeke:  Reisen zu den Sowjets. Der ausländische Tourismus in Rußland 1921–1941. Münster–Hamburg–London:  LIT 2003 (= Arbeiten zur Geschichte Ost- europas, Bd.  11), S.  33–49.; N.N.:  Die Sowjetunion als neues Reiseland. Das Berliner Sowjetbüro „Intourist“. In:  RF (26.9.1930), S.  3; N.N.:  Erste „Intourist“-Arbeiterreise nach Sowjet-Rußland 1932. In:  RF (3.6.1932), S.  4.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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