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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 403 -
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Russland-Diskurse im Feuilleton der Roten Fahne 403 Die Auseinandersetzung mit Russland nutzte demnach im Lichte des ultra- linken Kurses der KPÖ ab 192770 der Abgrenzung von der Sozialdemokratie. Proletarische Reiseberichte, die von der Arbeiter-Zeitung angeblich abgelehnt wurden, spielten der Redaktion der Roten Fahne dabei in die Karten. So habe ein Arbeiter ohne Erfolg versucht, seinen Genossen  – einmal mehr  – die „Wahr- heit über die Sowjetunion“71 darzulegen, um damit Berichten über Hungersnöte und Rückständigkeit entgegenzutreten. Ein anderer wiederum möchte gegen wiederholt abgedruckte „Unwahrheiten“ anschreiben, die den sozialdemokrati- schen Arbeitern von den die Zeitungen mit Argusaugen überwachenden „Bon- zen“72 vorgelegt würden. Die kontinuierliche Kritik an der distanzierten Haltung der Arbeiter-Zeitung zur Sowjetunion erhielt vor den Gemeinderatswahlen 1932 eine neue Tragweite, sollte im Wahlkampf doch das Russland im Aufbau als Alternative zum Roten Wien der Großen Depression als Trumpf der KPÖ fungieren. Im Hamburger KP-Verlag Hoym wurde die Broschüre Wien  – Mos- kau. Zwei Städte  – zwei Welten abgedruckt, worauf die Wiener Sozialdemokratie mit dem dünnen Heftchen Wien und Moskau reagierte.73 Die Tagespresse führte den Vergleich fort:  Wien wurde dabei von den Sozialdemokraten als „bolsche- wistisches Bollwerk“ und „einzige Millionenstadt inmitten der Welt des Kapi- talismus, in der die rote Fahne des Sozialismus weht“,74 präsentiert, während in Moskau der soziale Wohnbau den Bedürfnissen weit hinterherhinke. Die Rote Fahne konterte  – wenig überraschend  – mit Spott und Hohn:  „Ein aussichtsloser Versuch. […] Wien geht nieder, Moskau blüht auf. […] Es ist schon begreiflich, wenn die Wiener Sozialdemokraten mit einer Flut von Lügen und Verdrehungen das Gespenst des roten Moskau bannen wollen, das ihnen ihr Todesurteil aus- spricht.“75 Bei der Wahl Ende April 1932 erreichte die KPÖ ihr bestes Ergebnis in Wien in der Zwischenkriegszeit:  1,9  % der Stimmen.76 Es ließe sich 1932/33 70 Vgl. Loughlin, Partei, 260–269. 71 Franz Lauschmann:  Was die „A.–Z.“ verschweigt. Brief eines österreichischen Sozial- demokraten aus der Sowjetunion. In:  RF (13.12.1930), S.  3. 72 R.A.:  Brief aus der Sowjetunion. Reisebericht eines österreichischen Arbeiters. In:  RF (7.9.1930), S.  6. 73 Emil Huk (Hg.):  Wien  – Moskau. Zwei Städte  – zwei Welten. Hamburg u.a.:  Hoym 1932; Sozialdemokratische Partei Wiens (Hg.):  Wien und Moskau. Wien:  Wiener Volksbuchhandlung 1932. 74 N.N.:  In Moskau und in Wien. In:  Arbeiter-Zeitung (16.4.1932), S.  2. 75 N.N.:  Wien oder Moskau. Eine Antwort an die Rothschild-Sozialisten. In:  RF (19.4.1932), S.  4. 76 Steiner, Kommunistische Partei, S.  322.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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