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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 407 -
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Das Russlandbild bei Alja Rachmanowa 407 Mittlerweile ist der dokumentarische Charakter der Tagebuchaufzeichnungen von Alja Rachmanowa relativiert, ja dementiert worden. Der Schweizer Slawist Heinrich Riggenbach, der die Tagebücher aus den Jahren 1942–1945  übersetzt hat,8 verortet diese klar im Bereich des Literarischen:  „Wenn man das jetzt hart ausdrücken wollte, könnte man vielleicht sagen, die von Alja Rachmanowa selbst veröffentlichten Tagebücher sind Pseudo-Tagebücher. Sie sind Literatur.“9 Was als „Entzauberung“10 von Alja Rachmanowa präsentiert wird, kommt aber ihrer Aufwertung als Schriftstellerin gleich, obwohl hier ein komplizierter Fall kollek- tiver Autorschaft vorliegt:  Arnulf von Hoyer hat die Tagebücher aus dem Russi- schen ins Deutsche übertragen, und auch der im Verlagswesen tätige Karl Maria Stepan scheint Anteil an der Textgenese gehabt zu haben. Er war gemeinsam mit von Hoyer in russischer Kriegsgefangenschaft gewesen und hatte ihm 1930 vorgeschlagen, ein Buch darüber zu schreiben. Bei dieser Gelegenheit brachte von Hoyer die Tagebücher seiner Frau ins Gespräch, Stepan war von der Idee gleich begeistert und setzte sich für die Veröffentlichung der Tagebücher ein, unter anderem auch durch die Vermittlung an Otto Müller und den Anton Pus- tet Verlag.11 Die im Nachlass der Autorin erhaltenen russischen Typoskriptseiten lassen die Behauptung zu, dass es sich lediglich um Notizen und Entwürfe handelte, an denen weder stilistisch noch sprachlich gefeilt wurde. Erst als der Ver- lag das Interesse an diesem Material signalisierte, überarbeitete Rachmanowa ihre Aufzeichnungen, worauf die in den Typoskripten enthaltenen alternativen Formulierungen und deutschen Wörter12 schließen lassen. Die Übersetzung durch Arnulf von Hoyer war keine konventionelle Arbeit eines Übersetzers mit einem Text, sondern vielmehr mit der Autorin, die weitere Änderungen, Ergänzungen, Umstellungen des russischen Rohmaterials vornahm. Es war ein 8 Vgl. Alja Rachmanowa:  Auch im Schnee und Nebel ist Salzburg schön. Tagebücher 1942 bis 1945. Übersetzt und herausgegeben von Heinrich Riggenbach. Salzburg:  Otto Müller Verlag 2015. 9 Florian Felix Weyh:  Die Entzauberung der Alja Rachmanowa. Online unter:  http:// www.deutschlandradiokultur.de/russische-schriftstellerin-die-entzauberung-der- alja.1270.de.html?dram:article_id=323080 (letzter Zugriff:  31.08.2016). 10 Ebd. 11 Vgl. Stahr, Das Geheimnis der Milchfrau in Ottakring, S.  99f. 12 Nachlass von Alja Rachmanowa in der Kantonsbibliothek Thurgau, Signatur RACH A-1-C-1, ohne Seitenangabe. Neben dem Nomen „Geschäft“, das mehrmals in diesem Typoskript vorkommt, finden sich auch weitere deutsche Wörter, z.B.  in:  „Ah, imet unehelichnago rebenka takoje mucen’je!“, oder „Ottmar sdal swoi poslednii Bürger- owskii ekzamen s Auszeichnunhom.“
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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