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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 410 -
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Natalia Blum-Barth410 Verfolgungen, Hausdurchsuchungen, Plünderungen, Verhaftungen und Erschie- ßungen der Bourgeoisie  – schildert die Autorin anschaulich und eindringlich. Als ob Rachmanowa sich zum Ziel gesetzt hätte, den Sog der Gewalt zu stu- dieren, fokussiert sie in ihren Büchern das unfassbar gewalttätige Handeln der Masse. Was in der Geschichtsschreibung bislang kaum hinreichend untersucht worden ist,19 und zwar die Ausgangspunkte für die Entstehung von Gewalt und deren Instrumentalisierung durch das System, beschreibt Rachmanowa als menschliches Drama anhand konkreter Schicksale. Während der Terror jener Jahre in vielen Studien20 untersucht worden ist, ist die Gewalt darin weitgehend unberücksichtigt geblieben. Stefan Plaggenborg gehört zu den wenigen Histori- kern, die versuchen, Gewalt im Stalinismus als historisch bedingt und herleitbar zu beschreiben und den Dispositionen zur Entstehung und Legitimation von Gewalt nachzuspüren.21 Ein in Gewalt versinkendes Russland ist auch das zentrale Bild, das Rachma- nowa in Studenten, Liebe, Tscheka und Tod entwirft. Die erzählte Zeit beträgt vier Jahre:  vom September 1916 bis zum September 1920. Am Beispiel einer Arzt- familie wird die ganze Brutalität des neuen Regimes beschrieben. Die sechzehn- jährige Ich-Erzählerin Alja berichtet stellenweise Banales aus ihrer Kindheit, erinnert sich an Feiertage bei ihren Großeltern, schildert ihre Erlebnisse an der Universität und weiht den Leser in ihre Gedanken und Gefühle ein. Gleichzeitig werden die täglichen Ängste spürbar, die mit dem fortschreitenden Verfall staat- licher und sozialer Strukturen einhergehen. Zügellosigkeit, Willkür und Anar- chie führen zum Wegfall moralischer und gesetzlicher Schranken und kündigen den Großen Terror an. In mitunter kruden Bildern schildert Alja das durch die Revolution ausgebrochene Chaos und die Zerstörung: 19 Vgl. Stefan Plaggenborg:  Gewalt im Stalinismus. Skizzen zu einer Tätergeschichte. In:  Manfred Hildermeier (Hg.):  Stalinismus vor dem Zweiten Weltkrieg. Neue Wege der Forschung. München:  R. Oldenbourg Verlag 1998, S.  193–209, hier S.  193–196. 20 Vgl. hierzu u.a.:  Jörg Baberowski:  Wandel und Terror. Die Sowjetunion unter Stalin 1928–1941. In:  Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 43 (1995), S.  97–129; Barry McLoughlin/Kevin McDermott (Hgg.):  Stalin’s Terror. High Politics and Mass Repression in the Soviet Union. New  York:  Palgrave Macmillan 2013; Robert Con- quest:  Der große Terror. Sowjetunion 1934–1938. München:  Langen-Müller 1992; Stefan Plaggenborg (Hg.):  Stalinismus. Neue Forschungen und Konzepte. Berlin:  Ver- lag Spitz 1998. 21 Plaggenborg, Gewalt im Stalinismus, S.  193f.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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