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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Seite - 425 -
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Katharina die Große in Literatur, Theater und Film 425 Aleksej Orlow, ihrem Liebhaber und Offizier der Kaiserlichen Garde, gegen ihren Gatten und deckte dessen Ermordung.7 Als Großfürstin und Gemahlin von Peter III. war die Lage Katharinas zuvor in vielfacher Hinsicht eine prekäre:  Auf der einen Seite stand ihre sie bevormun- dende Mutter, auf der anderen Seite die absolutistisch regierende Kaiserin Elisa- beth, Tante von Peter III., eine in der Zarinnen-Literatur oft als unberechenbar beschriebene Gestalt, die jeden ihrer Schritte überwachte und Katharina von den wichtigen Hofkreisen fernhielt.8 Zwischen diesen beiden schwierigen, wenig sympathischen Charakteren gab es schließlich den an der gemeinsamen Bezie- hung wenig interessierten, als intellektuell beschränkt geltenden Gemahl, der ihr ohne Scham von seinen Liebesaffären berichtete, wie Katharina in ihren Erinne- rungen festhielt.9 Ich sah Peter III. zum ersten Male im Jahre 1739, als er elf Jahre alt war […]. Bei dieser Gelegenheit hörte ich im Familienkreise davon sprechen, daß der junge Herzog zum Trunke neige […]. Er sei starrköpfig und jähzornig, liebe seine Umgebung […] sehr wenig; im übrigen aber fehle es ihm nicht an Lebhaftigkeit, obgleich er ein kränkli- ches und ungesundes Aussehen habe. Und in der Tat, er war sehr blaß, außerordentlich mager und von schwächlicher Konstitution. Diesem Kinde wünschte seine Umgebung das Ansehen eines fertigen Menschen zu geben, zu welchem Zwecke man ihn unauf- hörlich belästigte und ihn unter einem Drucke hielt, der ihm jene Falschheit einpflanzen mußte, die seitdem den Kern seines Charakters bildete.10 An Stanisław Poniatowski, dem späteren letzten Wahlkönig von Polen, mit dem sie eine mehrjährige intime Beziehung unterhielt, schrieb Katharina schließ- lich:  „Peter III. hatte den wenigen Geist, den er besaß, völlig verloren. Er stieß 7 Ebd., S.  240f. 8 Zit. bei:  Casimiro Waliszewski:  Caterina II di Russia. Milano:  Dall’Oglio Editore 1958, S.  9–18. Die Originalausgabe:  Kazimierz K.  Waliszewski:  Autour d’un trône. Catha- rine II de Russie, ses collaborateurs, ses amies, ses favoris (Paris, 1894), eine von der Académie français ausgezeichnete Roman-Biografie, fand auch im deutschsprachigen Raum Resonanz, wie eine ausführliche Besprechung in der Neuen Freien Presse vom 15.7.1894 (S.  1–4) dokumentiert. Ins Deutsche wurde sie von Lissy Rademacher über- tragen und erschien 1928. Ob Gina Kaus diese Roman-Biographie gelesen hat, ließ sich nicht eruieren. 9 Ebd., S.  148f. Mehr Verständnis für diese Herrscherfigur findet sich bei:  Marc Raeff:  Peter III. In:  Torke, Die russischen Zaren, S.  219–231. 10 Katharina die Große:  Erinnerungen (wie FN 4). Zit. nach:  http://gutenberg. spiegel.de/buch/erinnerungen-der-kaiserin-katharina-ii-9530/3 (Letzter Zugriff: 20.12.2016).
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Titel
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Untertitel
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Autor
Primus-Heinz Kucher
Herausgeber
Rebecca Unterberger
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Abmessungen
14.8 x 21.0 cm
Seiten
466
Kategorie
Kunst und Kultur
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹