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Ester
Saletta426
alles um, wollte die Garden abschaffen […]. Er wollte die Religion wechseln, sich
mit Elisabeth Woronzow verheiraten, mich aber verstoßen und einkerkern.“11
Katharina hatte älteren Roman-Biographien zufolge in den ersten Jahren
einen schweren Stand am russischen, von Intrigen geprägten Hof, wurde von
wichtigen Entscheidungen ferngehalten und nicht selten brüskiert.12 Man machte
ihr zum Vorwurf, dass sie keinen Thronfolger gebar, und als sich herausstellte,
dass die Schuld nicht primär bei ihr lag, gab ihr die Schwiegermutter und amtie-
rende Kaiserin zu verstehen, eine Großfürstin habe, wenn es sich um das Wohl
des Landes handle, nicht die Tugend als erstes Gut in die Waagschale zu werfen.
In diesem Kontext sind daher auch die Liebesbeziehungen der späteren Zarin
zu sehen, unter anderen die mit dem Feldmarschall Grigorij Potëmkin,13 den
sie vermutlich im Geheimen geheiratet hat,14 mit dem Offizier Aleksej Orlow,
dem Vater ihres zweiten Sohnes, und mit Prinz Platon Alexandrowitsch Subow,
ihrem letzten Favoriten.15 Neben den seit ihrer Jugend präsenten Hoffnungen,
aus begrenzten Verhältnissen auszubrechen, war es vor allem die als demüti-
gend empfundene Farce ihrer Ehe, die sie dazu bewog, sich in die Libertinage zu
11 Katharina die Grosse:
Brief an Poniatowski. Online unter:
http://gutenberg.spiegel.de/
buch/erinnerungen-der-kaiserin-katharina-ii-2102/25 (letzter Zugriff:
9.9.2015). Die
Einschätzung der Persönlichkeit und der Leistungen von Peter III.
sind nach wie vor
kontrovers gelagert; vgl. z.B. Verena Schmidtke: Peter III. von Russland – Infantiler
Idiot oder weitsichtiger Reformer? Online unter: https://geschimagazin.wordpress.
com/2014/03/01/peter-iii-von-russland-infantiler-idiot-oder-weitsichtiger-reformer/
(letzter Zugriff:
20.12.2016); positiver dagegen die Einschätzung bei:
Alice Pate:
Der
Pugaċev-Aufstand: Kosakenherrlichkeit oder sozialer Protest? In: Heinz-Dietrich
Löwe (Hg.): Volksaufstände in Russland: von der Zeit der Wirren bis zur „Grünen
Revolution“ gegen die Sowjetherrschaft. Wiesbaden:
Hassarowitz 2006 (= Forschun-
gen zur osteuropäischen Geschichte, Bd.
65), S.
353–396, bs. S.
381f., wo die Leistung
von Peter III.
mit Verweis auf Toleranzgesetze und die Aufhebung der Geheimkanzlei
positiv gesehen wird („als Symbol für soziale und politische Hoffnungen“).
12 Waliszewski, Caterina II, S. 393ff.
13 Potëmkin stammte aus ärmlichen Adelsverhältnissen, studierte zuerst Theologie,
verdingte sich dann beim Petersburger Militär. Der Gardeoffizier lernte Katha-
rina im Verlauf des Putsches von 1762 kennen. Erfolgreich war er in Feldzügen
gegen die Osmanen am Dnjepr und rund um das Schwarze Meer; er eroberte die
Krim und weitere Gebiete bis hin zum Kaukasus, gründete zahlreiche Städte, u.a.
Odessa oder Sewastopol; vgl. dazu: Simon Sebag Montefiore: Katharina die Große
und Fürst Potemkin [Orig.: The Prince of Princes: The Life of Potemkin]. Frankfurt
a.M.: Fischer 2009.
14 Vgl. Sichtermann, Zarin Katharina.
15 Vgl. Erickson, La grande Caterina, S. 405–408.
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Titel
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Untertitel
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Autor
- Primus-Heinz Kucher
- Herausgeber
- Rebecca Unterberger
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 466
- Kategorie
- Kunst und Kultur