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Ester
Saletta428
hätte. Ihr zur Seite sei eine Reihe von zum Teil schwachen Männern gestanden,
die sich ihr ausgeliefert hätten, eine Einschätzung, die im Hinblick auf einige
ihrer wichtigen Berater und Vertrauten wie Aleksandr Bestužev oder Viktor
Panin vermutlich daneben greift und auch im Hinblick auf die Rolle Potëm-
kins nur bedingt zutrifft.
Zuschreibungen und Überlieferungen dieser Art bildeten die Prämisse für
ein internationales Spektrum von literarischen und filmischen Bearbeitungen,
die in den 1920er und 1930er Jahren sowohl in Europa als auch in den USA vor-
gelegt wurden. Den Auftakt hierzu bildete George B.
Shaws dreiaktige komische
Oper Great Catherine (1932), eine Bearbeitung seines Einakters mit gleichem
Titel von 1913, der erstmals 1919 in der Übersetzung von Siegfried Trebitsch
auf Deutsch erschienen19 und im Frankfurter Schauspielhaus im Juni 1919 ur-
sowie im März 1923 am Deutschen Volkstheater in Wien erstaufgeführt wor-
den war; 1931 vertonte der polnische Komponist Ignaz Lilien das Stück zu einer
komischen Oper.20 Ihm folgten Jean Gilberts Operette Das Weib in Purpur (1923,
Libretto:
Leopold Jacobson), Alfred Savoirs Komödie La Petite Catherine (1930),
Anatolij Mariengofs Roman Jekaterina (russ. 1928, dt. 1936)
und Gina Kaus’ Bio-
graphie Katharina die Große (1935). Im filmischen Bereich ist die erste Stumm-
filminszenierung Katharina die Große von Reinhold Schünzel nach dem Buch
von B. E. Lüthge aus dem Jahr 1920 zu erwähnen,21 die Joseph Roth in einer
kurzen Kritik trotz mancher Mängel als „eine der gelungensten Sachen der Sai-
son“ bewertet hat.22 In ihr führte Karl Freund die Kamera, trat Lucie Höflich in
der Rolle der zukünftigen Zarin und Fritz Kortner in einer Nebenrolle auf. Auch
der Stummfilm Forbidden Paradise (1924) von Ernst Lubitsch mit Pola Negri in
der Hauptrolle stieß trotz leichtgewichtiger Story auf günstige Aufnahme durch
19 Vgl. Oskar v. Wertheimer: Elisabeth und Katharina. In: Pester Lloyd (26.2.1920)
S. 1–3. Zur Bedeutung des umstrittenen wie bis weit in die 1920er Jahre hin-
ein dominierenden Shaw-Übersetzers Trebitsch vgl. die Einleitung zu: Samuel A.
Weiss (Hg.): Bernhard Shaw’s Letter to Siegfried Trebitsch. Stanford: Stanford Univ.
Press 1986.
20 Vgl. dazu den Bericht im Prager Tagblatt vom 11.5.1932, S.
6., der auf die Urauffüh-
rung der Oper in Wiesbaden Bezug nahm.
21 Zu Schünzel vgl. N.N.
online unter:
http://www.film-zeit.de/Person/33231/Reinhold-
Sch%C3%BCnzel/Biographie/ (letzter Zugriff: 20.12.2016).
22 Zit. bei:
Joseph Roth:
Drei Sensationen und zwei Katastrophen. Feuilletons zur Welt
des Kinos. Hg. von Helmut Peschina u.
Rainer-Joachim Siegel. Göttingen:
Wallstein
2014, S.
45.
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Titel
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Untertitel
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Autor
- Primus-Heinz Kucher
- Herausgeber
- Rebecca Unterberger
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Abmessungen
- 14.8 x 21.0 cm
- Seiten
- 466
- Kategorie
- Kunst und Kultur