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Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
Seite - 185 -
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Rudolf von Eitelberger  – Architekturkritik 185 Französische Architektur als Gegenbild In Frankreich sah Eitelberger Österreichs größten Konkurrenten auf dem für die heimi- sche Kunstindustrie wichtigen deutschen Markt. Er beklagte eine Hegemonie schlech- ten französischen Geschmacks, der »wie ein Alp auf der deutschen wie auf der österrei- chischen Kunstindustrie« laste und Publikum und Produzenten in Beschlag nehme.49 Bereits 1853 hatte Eitelberger mit Blick auf das zeitgenössische Architekturgesche- hen in Frankreich eine »französische Krankheit« diagnostiziert und damit die Begeis- terung dortiger Gelehrter und Künstler für byzantinische Kunst gemeint. Letztere sei das Produkt einer barbarischen Verfallszeit, des Niedergangs der antiken Kultur, einer Zeit, in der »Fäulniß [sic !] in alle Adern des Lebens sich einnistete«.50 Das für ihn nicht nachvollziehbare Interesse an dieser Kunst deutet Eitelberger als Gegenreaktion auf überhastete Modernisierungsprozesse im Zuge der Industrialisierung und als »polaren Gegensatz zu den Ausartungen des Sozialismus und Kommunismus« (gemeint ist die klassizistische Revolutionsarchitektur der Zeit um 1800).51 Tatsächlich verband sich mit dem Rückgriff auf byzantinische Gestaltungsmuster in der Kirchenbaukunst die Hoff- nung katholischer Kreise in Frankreich auf eine christliche Erneuerung (so etwa im Fall der von Léon Vaudoyer entworfenen Kathedrale Sainte-Marie-Majeure in Marseille, die 1852 begonnen wurde).52 Durch eine Suche nach byzantinischen Traditionslinien in der romanischen Bautradition Frankreichs (insbesondere in Aquitanien) wurde der Stil zudem national aufgewertet.53 Eitelberger schloss hingegen auf »tiefe Verirrungen des Geschmackes der [französischen] Nation, auf eine Verwirrung der geistigen und sittlichen Grundlagen des Volkes«.54 Seine Thesen illustrierte er anhand der 1844 ge- weihten Kirche Saint-Vincent-de-Paul (»hl. Vinzenz und hl. Paul«), die unter wesent- licher Beteiligung des Architekten Jakob Ignaz/Jacques Ignace Hittorf errichtet und nach dessen Vorgaben in Anlehnung an byzantinische Mosaiken polychrom ausgemalt wurde (Abb.  2).55 Die Termini, mit denen Eitelberger diesen und andere Bauten be- schreibt (»Ausartung des Geschmackes«, »buntes Flitterwerk«, Produkt eines »extra- vaganten Geistes«, »Theatereffekte«), tauchen so oder ähnlich in seinen Äußerungen zu 49 Eitelberger, Der Einfluß (zit. Anm.  36), S.  1. 50 Eitelberger, Kirchliche Architektur (zit. Anm.  3), S.  11. 51 Ebenda, S.  11 f., hier S.  12. 52 B. Bergdoll, Léon Vaudoyer. Historicism in the Age of Industry, New York (u. a.) 1994, insb. S.  248 f., S.  258–265, S.  274. 53 J.  B. Bullen, Byzantium Rediscovered. The Byzantine Revival in Europe and America, London/ New York 2003, S.  57–59. 54 Eitelberger, Kirchliche Architektur (zit. Anm.  3), S.  12. 55 M. Kiene, Jacques Ignace Hittorff : précurseur du Paris d’Haussmann, Paris 2011, S.  89–94.
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Rudolf Eitelberger von Edelberg Netzwerker der Kunstwelt
Titel
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Untertitel
Netzwerker der Kunstwelt
Autoren
Julia Rüdiger
Eva Kernbauer
Kathrin Pokorny-Nagel
Raphael Rosenberg
Patrick Werkner
Tanja Jenni
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20925-6
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
562
Kategorie
Biographien
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Rudolf Eitelberger von Edelberg