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Gesa Lehrmann
Rudolf von Eitelbergers Protektion
Anselm Feuerbachs
Kunstpolitisches Machtstreben und kunsttheoretische Übereinstimmung
Am 4. August 1872 wurde der deutsche Maler Anselm Feuerbach (1829–1880) vom
österreichischen Kaiser Franz Joseph
I. zum Professor der Akademie der bildenden Künste
in Wien ernannt.1 Als Leiter einer Spezialschule für Historienmalerei war es laut Sta-
tut der Kunsthochschule Feuerbachs Aufgabe, vorangeschrittene Studenten im An-
schluss an ihr erfolgreich absolviertes künstlerisches Grundstudium zu »selbständiger
künstlerischer Thätigkeit« heranzuziehen.2 Durch sein Mitwirken an der malerischen
Ausschmückung der jüngst errichteten Repräsentationsgebäude der Ringstraße sollte
Feuerbach zudem als führender Vertreter der offiziellen Staatskunst der Wiener His-
torienmalerei zu neuem Ansehen verhelfen.3 Die Berufung an die Wiener Akademie
1 Universitätsarchiv der Akademie der bildenden Künste Wien, Verwaltungsakten, 219–1872, Ab-
schrift : Erlass des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht an Sr. Wolgeboren den Herrn His-
torienmaler Anselm Feuerbach vom 7. August 1872, E : 9590. Anhand dieses offiziellen Erlasses
lassen sich Ecker und Kupper korrigieren, die angaben, dass Feuerbach am 1. bzw. 7. August 1872
an die Akademie der bildenden Künste Wien berufen worden war. Dies geschah tatsächlich am
4. August 1872, wofür auch diverse Presseberichte sprechen (J. Ecker, Anselm Feuerbach. Leben
und Werk. Kritischer Katalog der Gemälde, Ölskizzen und Ölstudien, München 1991, S. 19 ; An-
selm Feuerbachs ›Vermächtnis‹. Die originalen Aufzeichnungen [hg. von D. Kupper], Berlin 1992,
S. 194 ; Wiener Zeitung, 09.08.1872, S. 1 ; Neue Freie Presse, Abendblatt, 09.08.1872, S. 1 ; Deut-
sche Zeitung, Abendblatt, 09.08.1872, S. 1 ; Neues Fremden-Blatt, 23.08.1872, Morgenausgabe,
S.
11). Feuerbach selbst gab in einem Dankesschreiben an Eitelberger an, am 05.08.1872 durch ein
Telegramm des Ministeriums für Cultus und Unterricht von seiner offiziellen Berufung an die Wie-
ner Akademie erfahren zu haben (Brief von Anselm Feuerbach an Rudolf Eitelberger. Heidelberg,
06.08.1872, Wien, Wienbibliothek im Rathaus, Nachlass Eitelberger [im Folgenden kurz »WBR«
genannt], H.I.N.
23.228).
2 Statut der Akademie der bildenden Künste Wien, 1872, § 5, in : R. Eitelberger von Edelberg,
Die Kunstbewegung in Oesterreich seit der Pariser Weltausstellung im Jahre 1867, Wien 1878,
S.
131.
3 Feuerbachs bedeutende Doppelrolle in Wien und die sich daran anknüpfenden hohen Erwartungen
an sein dortiges Wirken hat in dieser Deutlichkeit erstmals Doris Lehmann in ihrer Dissertation
zum Konkurrenzverhältnis zwischen Feuerbach und Hans Makart herausgestellt (D.
H. Lehmann,
Historienmalerei in Wien. Anselm Feuerbach und Hans Makart im Spiegel zeitgenössischer Kri-
tik, phil. Diss., Köln/Weimar/Wien 2011). Zu Feuerbachs Wiener Amtszeit siehe auch : E. Jayme,
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien