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Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
Seite - 276 -
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276 Gesa Lehrmann Historienbilder Feuerbachs aufgewiesen, orientierte sich dieser während seines künst- lerischen Schaffens stets am Ideal der Antike und der Renaissance. Anhand der zweiten Fassung des Abschieds der Medea16 (Abb.  1), die rund ein Jahr vor der Berufung Feuer- bachs 1871 im Wiener Künstlerhaus ausgestellt war, sei dies im Folgenden exemplarisch veranschaulicht : Hier weist die Mutter-Kind-Gruppe einen Bezug zur Darstellung der Erdgöttin Tellus auf dem Tellusrelief (Abb.  2) der Ara Pacis Augustae auf.17 Für den Säugling auf Medeas Schoß ist eine Anlehnung an jenen in Michelangelos Medici-Ma- donna (Abb.  3) auszumachen, den Feuerbach 1856 in Florenz vor dem Original nach- gezeichnet hat.18 Zeit seines Lebens skizzierte Feuerbach bedeutende Werke der Antike und Renaissance und sammelte diese Zeichnungen als Vorlagen für seine Historien- gemälde, in denen er die Motive seiner eigenen Bildsprache gemäß abgewandelt, als der Kunstgeschichte entlehnte Bildzitate wieder aufgriff. Feuerbach selbst beschrieb seine Vorgehensweise wie folgt : »Ich sehe das Vortreffliche in den Meistern und trage sie nach meiner Individualität in mich hinein.«19 Damit betrieb er in seiner künstlerischen Praxis jene Orientierung am kunstgeschichtlich legitimierten Ideal, die Eitelberger in- nerhalb seiner Geschmacksreform postulierte. Nicht zuletzt hinsichtlich dieser gewis- sen Rückwärtsgewandtheit entsprachen die kunsttheoretischen Ansichten Eitelbergers und Feuerbachs einander  – orientierte Eitelberger die Stilprinzipien seiner ›modernen‹ Renaissance doch an denen der klassischen Renaissance und somit an einem um 1500 definierten Darstellungsideal. Wie im Folgenden aufgezeigt werden soll, hatten Eitelberger und Feuerbach erstaun- lich ähnliche Vorstellungen, welche Art von Historienmalerei als mustergültig anzuse- hen war, sei es im Darstellungsgehalt, im Modus oder in ihrer Funktionsbestimmung.20 16 Ausgestellt 1871 im Wiener Künstlerhaus : III.  grosse internationale Kunst-Ausstellung 1871 (Ausst. Kat. Wien, Künstlerhaus), Wien 1871, Kat.-Nr.  1. 17 H. Froning, Ästhetik und Antikenverständnis bei Anselm Feuerbach, in : Wallraf-Richartz-Jahr- buch, 42, 1981, S.  157–168, hier S.  163 ; H. Seifert, Anselm Feuerbach und die Antike. Neue Betrachtungen, in : Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg, 31, 1994, S.  85–108, hier S.  94 f. Da Erika Simon angab, dass das Tellusrelief 1568 im Zuge des Baus des Palazzo Peretti gefunden und nach Florenz gebracht worden sei, ist es möglich, dass Feuerbach, wie auch Helene Seifert annimmt, das Relief aus eigener Anschauung kannte (E. Simon, Ara Pacis Augustae, Tübingen 1967, S.  7). 18 Anselm Feuerbach, Madonna mit Kind (Kopie nach Michelangelos Medici-Madonna), 1856. Ber- lin, Staatliche Museen, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett u. Sammlung der Zeichnungen. M. Arndt, Die Zeichnungen Anselm Feuerbachs. Studien zur Bildentwicklung, phil. Diss., Bonn 1968, S.  131. 19 Feuerbach, undatiert, in : Allgeyer, Anselm Feuerbach (zit. Anm.  14), Bd.  I, S.  125. 20 Einen Vergleich der Auffassungen Eitelbergers und Feuerbachs hinsichtlich einer ihnen im Kontext der Zeit geeignet erscheinenden Ausprägung von Historienmalerei nahm erstmals Daniel Kupper Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
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Rudolf Eitelberger von Edelberg Netzwerker der Kunstwelt
Titel
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Untertitel
Netzwerker der Kunstwelt
Autoren
Julia Rüdiger
Eva Kernbauer
Kathrin Pokorny-Nagel
Raphael Rosenberg
Patrick Werkner
Tanja Jenni
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20925-6
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
562
Kategorie
Biographien
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Rudolf Eitelberger von Edelberg