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286 Gesa Lehrmann
Bildes Moderne Amoretten (Abb. 8) von Kaiser Franz Joseph I. im März 1869 instruiert
worden, nach Wien überzusiedeln, ohne allerdings eine konkrete Aufgabe zugewiesen zu
bekommen. Eitelberger nutzte seinen Einfluss nicht, um Makart Aufträge innerhalb der
staatlichen Monumentalmalerei zu vermitteln. Es ist davon auszugehen, dass Eitelber-
ger in einem Bild wie den Modernen Amoretten, das einer historischen wie literarischen
Grundlage entbehrte und allein auf die Farbwirkung hin komponiert war, jene »blen-
denden Farben der modernen Decorationsmalerei« ausmachte, die er sich weigerte, »als
Werke der grossen Kunst an[zu]staunen«.42 Noch im Nachruf auf den 1884 verstorbenen
Makart betonte Eitelberger : »In die geistigen Probleme des Inhaltes von Kunstwerken
sich zu vertiefen, den Adel der Seele und der Form wiederzugeben, war nicht seine Sache.
Dahin aber muss die Malerei in der Zukunft steuern, dass sie das geistig Gesunde und
auch inhaltlich Bedeutende zum Zielpunkte ihrer Bestrebungen macht.«43 Wie Eitel-
reichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Bd. 6, 1973, S. 29–31 ; Wagner, Geschichte der
Akademie (zit. Anm.
5), S.
410.
42 R. Eitelberger von Edelberg, Die Kunst-Entwicklung des heutigen Wien. Retrospective Be-
trachtungen aus Anlass der historischen Kunst-Ausstellung der Wiener Akademie, in : ders., Kunst
und Künstler Wiens der neueren Zeit (Gesammelte kunsthistorische Schriften von Rudolf Eitel-
berger von Edelberg, I), Wien 1879, S. 1–36, hier S. 4. In einem unter dem Titel »Die Renaissance
in Wien« am 06.12.1871 in der Neuen Freien Presse erschienenen Artikel, der aufgrund seiner Ähn-
lichkeit zu anderen Schriften vermutlich von Eitelberger verfasst wurde, der seit seiner Zeit als
Kunstreferent der Wiener Zeitung von 1849 an immer wieder journalistisch tätig war, ist in ähn-
lichem Sinne formuliert : »[…] der Entwicklung und Fortbildung der Wiener Architektur stehen
zwei große Hemmnisse entgegen. Eines derselben kommt aus den Kunstkreisen selbst, das andere
aus der Gesellschaft. Von Seite der Gesellschaft droht der Kunst Gefahr durch den übertriebenen,
oft unverständigen Luxus, der sich mit äußerem Glanz und Schimmer an Stelle reeller, durch Echt-
heit des Materiales und Schönheit der Formen werthvoller Leistungen begnügt. Dieser Kunst des
leeren Scheines wird viel zu viel Geld geopfert ; Werke, die nur glänzen, aber nicht befriedigen,
sind am allerwenigsten geeignet, eine Generation von Handwerkern und Künstlern zur wirklichen
Kunst heranzuziehen« (Neue Freie Presse, 06.12.1871, Abendblatt, S. 4). Wie Lehmann heraus-
gearbeitet hat, genügten Makarts Werke zur Zeit der Berufung Feuerbachs nicht den Ansprüchen
einer akademischen Historienmalerei, weshalb Makart zum Dienstantritt Feuerbachs »nicht als ein
einschlägiger Vertreter der Historienmalerei« und somit nicht als möglicher Konkurrent Feuerbachs
angesehen wurde. In ihrer Dissertation kam Lehmann zu dem Schluss, dass »Makarts dekorative
und ›sinnleere‹ Richtung« im Rahmen der Anerkennung des Stilpluralismus innerhalb der Wie-
ner Monumentalmalerei zwar zunehmend an Akzeptanz gewonnen habe, Makart aber erst nach
dem Rückzug Feuerbachs aus Wien »als ernstzunehmender Historienmaler, der auch zu höheren
Aufgaben befähigt war«, anerkannt worden sei (Lehmann, Historienmalerei [zit. Anm. 3], S. 49
u. S. 232). Erst 1881 erhielt Makart mit der malerischen Ausschmückung des Treppenhauses im
Kunsthistorischen Museum in Wien schließlich einen ersten Staatsauftrag.
43 R. Eitelberger von Edelberg, Hanns Makart, in : Mittheilungen des k. k. Österr. Museums für
Kunst und Industrie, 19, 1884, S.
242–251, hier S.
250 f.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien