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Rudolf von Eitelbergers Protektion Anselm Feuerbachs 287
berger lehnte auch Feuerbach eine reine Dekorationsmalerei ab, mittels derer man seiner
Ansicht nach »dem gänzlichen Verfall der Kunst in die Hände [arbeitet]«.44 Entspre-
chend streng unterschied Feuerbach zwischen Monumental- und Dekorationsmalerei :
Allein in der Wahl seines Gegenstandes erkennt man sofort den geborenen Historienmaler,
während der andere bei noch so großen Leinwanddimensionen immer der Kleinmaler blei-
ben wird. […] Eine kleine Handzeichnung Michel Angelo’s ist zehnmal monumentaler als 70
überlebensgroße Wallensteine Pilotys. […] Piloty und Makart werden ewig nur große Deco-
rations-Staffeleibilder malen […].45
Beschrieb er selbst die Prinzipien seiner Kunst mit den Begriffen »Form, Poesie &
Seele«46, lässt sich zusammenfassend festhalten, dass Feuerbachs künstlerisches Wir-
ken ganz in Eitelbergers kunsttheoretischer Auffassung von Historienmalerei aufging.
Oder andersherum : Eitelbergers kunsttheoretische Überlegungen zur Historienmale-
rei fanden in der künstlerischen Praxis Feuerbachs ihre bildnerische Realisierung. Ent-
sprechend formulierte Feuerbach während seiner Wiener Amtszeit in einem Brief an
seine Stiefmutter Henriette Feuerbach, dass seine und Eitelbergers »Interessen Hand in
Hand gehen« würden, und bemerkte im Hinblick auf seine Werke : »Was Eitelberger in
jeder Vorlesung betont, das ist ja in den Bildern ausgesprochen.«47
Wie dargelegt, lässt sich also davon ausgehen, dass Eitelberger mittels der Kunst Feu-
erbachs seine kulturpolitischen Ambitionen der ›Wiener Renaissance‹ und der damit
verbundenen »Belebung […] der Malerei«48 innerhalb der Ringstraße programmatisch
verwirklicht sehen wollte. Durch das auf Formenstrenge und Monumentalität hin aus-
gelegte Schaffen Feuerbachs sollte dem 1872 von Eitelberger konstatierten »Verfall der
großen Kunst in der Malerei« beispielgebend entgegengearbeitet werden.49 Feuerbach
selbst nahm auf diese Zielbestimmung konkret Bezug, wenn er in einem Brief gegen-
44 Feuerbach in : Kupper, Feuerbachs ›Vermächtnis‹ (zit. Anm.
1), S.
157.
45 Ebenda, S.
135 f.
46 Ebenda, S.
153.
47 Feuerbach, Wien, 07.06.1873 in : Allgeyer, Feuerbach (zit. Anm. 14), Bd. II, S. 221 ; Feuerbach,
undatiert, in : Kern/Uhde-Bernays, Feuerbachs Briefe an seine Mutter (zit. Anm. 14), Bd. II,
S.
301.
48 Eitelberger, Die Kunstbestrebungen Österreichs (zit. Anm.
15), S.
194.
49 Eitelberger hielt am 24.
Oktober 1872 im Museum für Kunst und Industrie einen Vortrag »Über die
Ursachen des Verfalles der großen Kunst in der Malerei« (Das Vaterland, 04.09.1872, S. 4 u. Deut-
sche Zeitung, 04.09.1872, Morgenblatt, S. 5). Die Neue Freie Presse und die Deutsche Zeitung ver-
öffentlichten Kritiken der Vorlesung (Neue Freie Presse, 03.11.1872, Morgenblatt, S.
7 u. Deutsche
Zeitung, 01.11.1872, Morgenblatt, S.
5).
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien