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Rudolf von Eitelberger und der Archäologe Otto Benndorf 319
deckt und aufgenommen, die ihm »die Befürwortung selbst einer bedeutenden Ausgabe
zu verdienen schien«. Sofort telegrafierte er nach Wien und empfahl Eitelberger de-
ren Acquisition. Die Antwortdepesche ermächtigte ihn aber nur, in Vorverhandlungen
mit dem Besitzer einzusteigen, der »den Werth seines Besitzes sehr wohl kannte. […]
Mit klingender Münze in der Hand u[nd] zu raschem Abschluß ermächtigt zweifle
ich nicht daß ich das seltene Monument für einen bedeutend billigern Preis erworben
haben würde.« Vom hohen wissenschaftlichen Wert dieses Objekts überzeugt, brachte
Benndorf davon »eine Photographie mit, die leider keinen genügenden Begriff gibt.
Weitere Verhandlungen wären durch den Consul möglich, jedesfalls aber erst nach einer
längeren Pause, da bei der überspannten Art dieses Sammlers eine Steigerung des Prei-
ses sonst zu befürchten wäre.«22
Diese Maske erregte großes Aufsehen in Wien und führte dazu, dass sie auf Ver-
mittlung Benndorfs im März des darauffolgenden Jahres von Eitelberger für das Öster-
reichische Museum für 2000 Francs angekauft wurde23 (Abb. 3) : »Heut erhielt ich die
Bronzemaske aus Bukarest. Trotzdem die Patina durch Säure entfernt ist, ist dieselbe
außerordentlich schön u[nd] nicht theuer.«24
Derartige Ankäufe von antiken Originalen wie auch von Gipsabgüssen vermittelte
Benndorf mehrmals für Eitelbergers Museum.25 Konnte Eitelberger Objekte aus fi-
nanziellen Gründen nicht erwerben, so präsentierte er solche gelegentlich in seinem
22 Die vorangehenden Zitate aus einem Brief Benndorfs aus Orsova an Eitelberger, 16.09.1873 (WBR,
H.I.N.
20.231).
23 Hauptinventar Rot Inv.-Nr. 1397, Spezial-Inventar Nr. Br 242, inventarisiert am 19.03.1874. Die
Maske wurde 1940 vom Kunsthistorischen Museum übernommen. Zur Maske siehe Benndorf/
Hirschfeld, Vorläufiger Bericht (zit. Anm.
21), S.
332 ; O. Benndorf, Antike Gesichtshelme und
Sepulcralmasken, Wien 1878, S.
24–26, Nr.
17 mit Taf.
X.
– Major Papasoglu bot bald danach auch
den Rest seiner Sammlung zum Ankauf an (Brief Benndorfs aus Prag an Eitelberger, 16.05.1874
[WBR, H.I.N. 20.237]), Eitelberger musste aber ablehnen, vgl. Brief Eitelbergers aus Wien an
Benndorf, 25.06.1874 (ÖNB, HAD : Autogr. 640/18-16) : »In Bukarest kann ich keine Ankäufe
machen,
– unsere Fonds sind erschöpft.«
24 Brief Eitelbergers aus Wien an Benndorf, 18.03.1874 (ÖNB, HAD : Autogr. 640/18-9). Im Juni
desselben Jahres wurde die Maske in Wien geformt und danach für Benndorfs Sammlung nach
Prag geschickt, siehe Brief Eitelbergers aus Wien an Benndorf, 08.06.1874 (ÖNB, HAD : Au-
togr. 640/18-14). Sie befindet sich noch heute unter der Inv.-Nr. I 272 in der Sammlung des Insti-
tuts für Klassische Archäologie der Karls-Universität in Prag (freundlicher Hinweis Peter Pavúk).
25 Vgl. z. B. einen Brief Benndorfs aus Wien an Eitelberger, 13.07.1880 (WBR, H.I.N. 20.276) : »ich
[…] möchte Ihnen nun schriftlich mittheilen, daß ich in Ternitz an der Südbahn bei dem Ingenieur
Hamburger eine auserlesen feine und reiche Sammlung attischer Vasen Terracotten Bronzen ge-
schnittener Steine und Gläser gesehen habe. Sie gehört Prof. Rhusopulos in Athen und dem ge-
nannten Verwandten von ihm gemeinsam, und soll so rasch als möglich verkauft werden. […] Ich
habe einen ganzen Tag mit geringer Unterbrechung bis in die Abenddämmerung zur Musterung
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien