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Rudolf von Eitelberger und der Archäologe Otto Benndorf 325
Benndorfs Expeditionen nach Karien und Lykien
Dieses Zusammenwirken lässt sich besonders eindrücklich aus der umfangreichen Kor-
respondenz Benndorfs mit Eitelberger in Zusammenhang mit den archäologischen Ex-
peditionen nach Karien und Lykien in den Jahren 1881 und 1882 herauslesen. Im Zuge
dieser Unternehmungen konnten das sogenannte Heroon von Gjölbaschi-Trysa wie-
derentdeckt und der Reliefschmuck und ein Sarkophag für die Sammlungen des Kai-
serhauses gesichert werden.38 Eitelberger hatte am Erfolg dieser Expeditionen beacht-
lichen Anteil. Von den ersten Überlegungen Benndorfs über die Antragstellung beim
Minister im März 1880
– stets bekräftigte Eitelberger : »Was ich dafür thun kann, werde
ich mit größtem Vergnügen thun. Sagen Sie mir, ob u[nd] wann ich eingreifen kann.«39
Das waren keine bloßen Lippenbekenntnisse, wie wir aus Briefen und offiziellen Ak-
ten immer wieder erfahren. Eitelberger stellte Kontakte zu Vertretern der involvierten
Ministerien her, auch zu mehreren hohen Persönlichkeiten des Adels und des Wiener
Bürgertums, die die Unternehmungen ideell und finanziell förderten und sich zu einer
Gesellschaft für archäologische Erforschung Kleinasiens zusammenfanden. Regelmäßig
beschleunigte Eitelberger den Aktenlauf, mahnte zu Umsicht und unterstrich dabei die
Interessen Österreichs gegenüber anderen Staaten, vor allem Deutschland. Hier klingt
der friedliche Wettstreit der Nationen an, in den Eitelberger im Bereich des Kunstge-
werbes mit der Gründung des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie und
Conze im Bereich der archäologischen Forschungen mit den Samothrake-Expeditionen
der Jahre 1873 und 1875 eingetreten war.40
38 H. D. Szemethy, Die Erwerbungsgeschichte des Heroons von Trysa. Ein Kapitel österrei-
chisch-türkischer Kulturpolitik, mit einem Beitrag von Ş. Pfeiffer-Taş, Wien 2005.
39 Brief Eitelbergers aus Wien an Benndorf, 07.04.1880 (ÖNB, HAD : Autogr.
640/19-3).
40 R. Eitelberger von Edelberg, Die Museen für Kunstindustrie und der Anschauungsunterricht
für Kunst, in : Oesterreichische Revue, 1, 1863, S. 279–297 ; T. Pirsig-Marshall, London/Wien.
Einfluß und Wirkung der englischen Idee. Das Vorbild South Kensington Museum, in : Noever
(Hg.), Kunst und Industrie (zit. Anm. 17) S. 30–40. – Dass Kaiser Franz Joseph I. in seiner Thron-
rede am 24.
April 1873 die Wiener Weltausstellung dezidiert zu einem »friedlichen Wettstreit aller
Culturvölker der Erde« erklärte, kommt daher nicht von ungefähr ; siehe G. Kolmer, Parlament
und Verfassung in Oesterreich, II. 1869–1879, Wien/Leipzig 1903, S. 272. – Nach Ch. Zintzen,
Von Pompeji nach Troja. Archäologie, Literatur und Öffentlichkeit im 19.
Jahrhundert, Wien 1998,
S. 139 dienten archäologische Erfolge »nun nicht mehr nur zur Erweiterung der terrae cognitae auf
der Karte des Wissens, sondern auch als machtvolle Manifestationen im Spannungsfeld institutio-
neller und nationaler Konkurrenz.« Vgl. H. D. Szemethy, Die österreichischen Samothrake- und
Trysa-Expeditionen im Lichte des friedlichen Wettstreits der Nationen – Politische Hintergründe,
Methoden und Öffentlichkeitsarbeit, in : Wissenschaftliche Forschung in Österreich 1800–1900.
Spezialisierung, Organisation, Praxis (hg. von Ch. Ottner/G. Holzer/P. Svatek), Göttingen
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien