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336 Karl Reinhard Krierer
Von seinem Urlaubsdomizil Gutenstein in Niederösterreich schickt Conze am
14. August 1873 einen dreiseitigen Brief an Eitelberger12 : Während zunächst hinsicht-
lich der Restaurierung des Doms von Spalato gesetzliche Fragen des Denkmalschutzes
angesprochen werden, folgen Privates und ein paar Bemerkungen zur Publikation über
Samothrake, hauptsächlich deren fotografischen Teil betreffend. Conze war bei der Ver-
wendung der noch relativ neuen Fotografie auf einer Ausgrabung einer der Pioniere,
wobei ihm Wilhelm Burger mit seinem Know-how zur Seite stand.13
Im Brief vom 9. November 187314 kommt Heinrich Schliemann vor, über dessen
trojanische Ausgrabung Conze wenige Tage später – am Donnerstag, den 13. Novem-
ber
– im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie einen Vortrag halten und dabei
auch den ihm von Schliemann zu Jahresanfang geschenkten Abguss der trojanischen
Heliosmetope ausstellen wird.15
Im Brief vom 15. November 1873 geht es in erster Linie um die Verwendung und
Aufstellung der von der Samothrake-Expedition nach Wien verbrachten Architek-
turteile, wobei Conze auf Umsetzung seiner und Alois Hausers Vorstellungen drängt.
Conze : »Außerdem werden wir uns ausbitten eine Anzahl von, was wir so beim Ausgra-
ben nannten, Liebhaberstücken, d. h. ganz werthlosen kleinen Brocken, für uns behalten
zu dürfen.«16
Selbstverständlich versäumt Conze auch nicht einen Neujahrsgruß an Eitelberger –
so den vom 2. Januar 1874 mit der freudigen Mitteilung über den Erwerb neuer For-
men für die akademische Gipsgießerei der Akademie der bildenden Künste.17
Die Centralkommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen
Denkmale, die Vorläuferin des heutigen Bundesdenkmalamtes, wird in Conzes Brie-
fen an Eitelberger erstmals am 20. Oktober 1874 erwähnt. »Dort dreschen wir leeres
Stroh unter diesem Praesidium, und wenns lange so weiter geht, werden manche gute
Elemente auch in den alten Schlendrian eingelullt sein, und solche, denen ihre Zeit
werth ist, da Nichts mehr zu suchen haben«18, so Conze, der Anfang 1876 aus der Zen-
12 Alexander Conze aus Gutenstein an Rudolf Eitelberger, 14.08.1873 (WBR, H.I.N.
20.520).
13 Vgl. R. Lindner, Reinhard Kekulé von Stradonitz – Alexander Conze. Zum Diskurs der Foto-
grafie in der klassischen Archäologie des 19.
Jahrhunderts, in : Fotogeschichte
73, 1999, S.
3–16 ; O.
Dally, Zur Archäologie der Fotografie. Ein Beitrag zu Abbildungspraktiken der zweiten Hälfte des
19. und des frühen 20.
Jahrhunderts (143.
Berliner Winckelmannsprogramm), Berlin 2017, passim.
14 Alexander Conze an Rudolf Eitelberger, 09.11.1873 (WBR, H.I.N.
20.521).
15 K. R. Krierer, Alexander Conze und Heinrich Schliemann, in : Mitteilungen aus dem Hein-
rich-Schliemann-Museum Ankershagen, H.
10/11, 2016, S.
259–275.
16 Alexander Conze an Rudolf Eitelberger, 15.11.1873 (WBR, H.I.N.
20.522).
17 Alexander Conze an Rudolf Eitelberger, 02.01.1874 (WBR, H.I.N.
20.523).
18 Alexander Conze an Rudolf Eitelberger, 20.10.1874 (WBR, H.I.N.
20.524).
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Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien