Seite - 338 - in Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
Bild der Seite - 338 -
Text der Seite - 338 -
338 Karl Reinhard Krierer
Im Ganzen kommt dieses Mal wirklich ein Abschluß im Wesentlichen heraus ; die ganze Sa-
mothrakische Baugeschicht[e] ist in ihren Hauptzügen geklärt. Lieutenant Becker arbeitet an
dem Detailplane der Umgebung der Heiligthümer.26 Burger ist sehr fleißig mit Aufnahmen,
die instruktiv und erfreulich sein werden. Löher formt architektonische Ornamente. Gute
Stücke will ich ›in den Originalblöcken‹ nach den Dardanellen bringen u[nd] gebe die Hoff-
nung nicht auf daß von den Dubletten nachträglich durch die Botschaft einzelne gute Stücke
für Wien noch erwirkt werden können.27
Im Brief vom 31.
Oktober 1875 geht es um eine Personalfrage :
Verehrter Herr Hofrath, am Freitage wurde uns in der Fakultätssitzung die kurze Antwort
des Ministers mitgetheilt, daß er nicht gewillt sei Bormann zur Vertretung der latein[ischen]
Epigraphik usw zu berufen, daß er dagegen geneigt sei, einen einheimischen Studenten mit
Stipendien hinauszuschicken u[nd] ihn zum Professor zu züchten. Immer dieselbe Geschichte,
womit das freie Wachsthum der Wissenschaft durch eine Mistbeetkultur ersetzt werden soll,
bei der nur Ausartung im Großen u[nd] Ganzen das Resultat sein wird.28
Sehr kritische, strenge Worte Conzes also, der den Mommsenschüler Eugen Bormann
gerne als Vertreter der lateinischen Epigrafik in Wien gehabt hätte.29
Schließlich soll der letzte von Conze in Wien an Eitelberger gesandte Brief am
Ende meiner Ausführungen stehen, in welchem Conze seinen Mentor Eitelberger am
26.
April 1877 davon in Kenntnis setzt, er werde den Minister um Entlassung aus seiner
Wiener Stelle als Universitätsprofessor zum 1. Oktober 1877 ersuchen. Er, der schon
länger von Wien weg wollte, hatte eine leitende Stelle als Direktor an den Berliner kö-
niglichen Museen angenommen.30
Den nächsten Brief an Eitelberger sendet Conze bereits aus Berlin, am 3. Oktober
1877 : »Sie waren für mich ein persönlicher Mittelpunkt der meisten Interessen u[nd]
26 Alois Ritter von Becker, k. k. Linienschiffs Lieutenant ; der Plan findet sich in : Neue Archaeologi-
sche Untersuchungen auf Samothrake. Ausgeführt im Auftrage des k. k. Ministeriums für Kultus
und Unterricht mit Unterstützung seiner Majestät Corvette »Frundsberg« Commandant Kropp (hg.
von A. Conze/A. Hauser/O. Benndorf), Wien 1880, Taf.
I.
27 Alexander Conze aus Palaeopolis auf Samothrake an Rudolf Eitelberger, 09.11.1875 (WBR,
H.I.N.
20.533).
28 Alexander Conze an Rudolf Eitelberger, 31.10.1875 (WBR, H.I.N.
20.534).
29 Vgl. K. R. Krierer, Alexander Conze und Theodor Mommsen. Die Wiener Briefe (1870–1877),
in : Netzwerke der Altertumswissenschaften im 19. Jahrhundert (hg. von K. R. Krierer/I. Fried-
mann), Wien 2016, S.
118–121.
30 Alexander Conze an Rudolf Eitelberger, 26.04.1877 (WBR, H.I.N.
20.539).
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien