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346 Monica Scilipoti
gen über verschiedene Themen der Kunstpolitik, so wie z. B. das Museumswesen und
den Zeichenunterricht, in denen sie mitunter ähnliche Positionen vertraten.10
Das gemeinsame Engagement konzentrierte sich in der folgenden Zeit insbesondere
auf die Entwicklung von Strategien zur Verbreitung und Durchführung der Beschlüsse
des Kongresses von 1873 in Österreich und in Preußen bzw. im gesamten Deutschen
Kaiserreich.11 Eitelberger waren besonders die Annahme der Beschlüsse von Seiten der
Kunstakademien
– vornehmlich in Bezug auf die Abfassung von Ausstellungskatalogen,
die als Quellenmaterial für die künftigen Kunsthistoriker dienen sollten – und die Klä-
rung der Unterrichtsfrage in Bezug auf den Kunst- und den Zeichenunterricht wich-
tig. In diesen Belangen ließ er sich von Schöne beraten, um eine grenzüberschreitende
Annahme der Beschlüsse bis auf kommunale Ebenen herab zu erzielen. Schöne riet
Eitelberger davon ab, sich mit einzelnen Anstalten in Verbindung zu setzen, die die Zu-
sammenarbeit einfach ignorieren oder verweigern könnten. Stattdessen schlug er ihm
vor, sich direkt an die jeweiligen Unterrichtsministerien und parallel dazu mit einem
Ersuchen an die Reichsregierung zu wenden, um der Aufforderung mehr Gewicht zu
verleihen.12 Gleichzeitig versicherte er ihm die weitgehende Unterstützung seitens des
unter der Leitung Minister Adalbert von Falks stehenden preußischen Kultusministe-
riums.13
Eine weitere wichtige grenzüberschreitende »wissenschaftliche Unternehmung«, de-
ren geistige Vaterschaft Eitelberger zugeschrieben werden kann und die ebenfalls aus
dem ersten kunstwissenschaftlichen Kongress hervorging, war die Gründung der Zeit-
schrift Repertorium für Kunstwissenschaft.14 Auch dieses ambitionierte Projekt, das laut
den Initiatoren als »Centralorgan« der Kunsthistoriker gedacht war, sollte durch die
10 Schönes Brief vom 07.01.1874 (WBR, H.I.N.
21.660) sowie Eitelbergers Brief vom 20.06.1874 an
Richard Schöne (Privatbesitz).
11 Über den Kongress und dessen Beschlüsse siehe R. Eitelberger von Edelberg, Die Resultate
des ersten internationalen kunstwissenschaftlichen Congresses in Wien, in : Mittheilungen der k. k.
Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, 19, 1874, S. 40–46 sowie
zuletzt M. Rampley, The Idea of a Scientific Discipline. Rudolf von Eitelberger and the Emergence
of Art History in Vienna 1847–1873, in : Art History, 34, 2011, H. 1, S. 54–79, hier S. 71–76 ;
Dobslaw, Quellenschriften (zit. Anm.
7), S.
70–73 (dort auch ältere Literatur zum Thema).
12 Briefe von Eitelberger an Schöne vom 03.01.1874 und vom 26.01.1874 (Privatbesitz) sowie Brief
von Schöne an Eitelberger vom 07.01.1874 (zit. Anm. 10). Über die Ausstellungskataloge siehe
Mittheilungen des k. k. Österr. Museums für Kunst und Industrie, 8, 1873, 97, Beilage S.
464.
13 Adalbert von Falk (1827–1900) war von 1872 bis 1879 Minister für geistlichen, Unterrichts- und
Medizinal-Angelegenheiten in Preußen. S. Skalweit, Falk, Adalbert, in : Neue Deutsche Biogra-
phie, 5, 1961, S.
6
f ; Wehry, Kaiser Friedrich
III. (zit. Anm.
4), S.
32–42.
14 Eitelberger, Die Resultate (zit. Anm.
11), S.
45 f. Eitelberger hatte bei der Tagung diesbezüglich
einen bereits ausgearbeiteten Entwurf vorgelegt.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien