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Kunstpolitik zwischen den Kaiserstädten 349
immer reibungslose Restrukturierungsphase, an der Eitelberger als Mitglied verschie-
dener Kommissionen aktiv teilgenommen hatte, war 1872 in die Verabschiedung neuer
Statuten gemündet.21 Im gleichen Jahr, kurz nach seiner Einstellung als Kunstreferent,
wurde Richard Schöne vom preußischen Kultusministerium mit der Reorganisation der
Königlichen Akademie der Künste zu Berlin beauftragt. Deren Reglement stammte
noch aus dem Jahr 1790 und trug somit den veränderten Strukturen und Abläufen der
Akademie nicht mehr Rechnung – wie auch einige Mitglieder der Akademie in einem
gemeinsamen Schreiben an den Kultusminister Falk bemängelten.22 Wie die Briefe an
seinen Bruder zeigen, war Schöne von Anfang an überzeugt, dass eine Änderung nicht
nur dringend notwendig, sondern auch radikal hätte sein müssen, um eine wirkliche
Verbesserung zu bewirken.23 Allerdings wusste er auch, dass seine Änderungsversuche
mehrere Interessenskonflikte herbeirufen würden. So schrieb er im Januar 1874 an Ei-
telberger : »eine schwere Aufgabe, die durch den nicht immer ganz unbefangenen An-
theil, den viele Künstler an ihr nehmen, nicht eben erleichtert wird«.24 Um einen mög-
lichst breiten Konsens über die bevorstehende Reform bemüht, forderte Schöne ab 1873
auf die zweite geänderte Fassung der Streitschrift, die Eitelberger 1879 veröffentlichte, da er hier
nicht nur eine etwas differenziertere Stellung in Bezug auf Waldmüllers Vorstoß einnimmt, indem
er z. B. einräumt, es sei »ein Verdienst Waldmüller’s, die Frage der Organisation der Akademie der
bildenden Künste in Fluss gebracht zu haben«, in ebenda S. 32, sondern auch die mittlerweile in
Eitelbergers Sinne erfolgreich durchgeführte Reform der Wiener Akademie in seine Überlegun-
gen einfließen lässt. Über Eitelbergers Argumentation von 1848 in der Auseinandersetzung mit
Waldmüller siehe auch M. Braunsteiner/K. Leitner, Die »Wiener Schule« der Kunstgeschichte.
Unterrichts- und wissenschaftsmethodische Grundzüge bis um 1920, in : 100
Jahre Kunstgeschichte
an der Universität Graz (hg. von W. Höflechner/G. Pochat) (Publikationen aus dem Archiv der
Universität Graz, Bd.
26), Graz 1992, S.
213–237, hier S.
215–217.
21 R. Eitelberger von Edelberg, Die Wiener Akademie im Jahre 1872 und die österreichi-
schen Staats-Pensionäre in Rom 1873, in : ders., Gesammelte kunsthistorische Schriften, II (zit.
Anm. 20), S. 1–19, hier S. 1. Das neue Statut wurde am 25. August 1872 verabschiedet. Zur Ge-
schichte der Wiener Akademie siehe auch C. von Lützow, Geschichte der Kais. Kön. Akade-
mie der Bildenden Künste. Festschrift zur Eröffnung des neuen Akademie-Gebäudes von Carl von
Lützow, mit Stichen und Radirungen von H. Bültemeyer (u. a.), Wien 1877 ; W. Wagner, Die
Geschichte der Akademie der bildenden Künste in Wien, Wien 1967, insbesondere S. 121–247 ;
E. Mai, Die deutschen Kunstakademien im 19. Jahrhundert. Künstlerausbildung zwischen Tradi-
tion und Avantgarde, Köln/Weimar/Wien 2010, S. 148–156, wobei Mais Darstellung sich auf die
Zustände vor der Wiener Reform von 1872 beschränkt und auf Waldmüllers Lehrmethode sowie
Eitelbergers Streitschrift nicht eingeht.
22 Gesuch an das Kultusministerium vom 07.12.1872 in GStA PK, I.
HA Rep.
76 Ve Sekt.
17 Abt.
I
Nr.
11 Bd.
2, Bl.
84–85. Dazu auch Mai, Die deutschen Kunstakademien (zit. Anm.
21), S.
283.
23 Brief an Alfred Schöne vom 02.12.1872 (Privatbesitz), zitiert auch von Pallat, Richard Schöne (zit.
Anm.
2), S.
54 sowie Brief an Alfred Schöne vom 19.02.1873 (Privatbesitz).
24 Schöne an Eitelberger am 07.01.1874 (WBR, H.I.N.
21.660).
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien