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Kunstpolitik zwischen den Kaiserstädten 351
zuständigen Ministerium überlassen. Zugleich wurde der Aufgabenbereich der Akade-
mie auf die Gebiete der hohen Kunst fokussiert, indem man sie von ihrer Zuständigkeit
für das Kunstgewerbe und die Ausbildung der Zeichenlehrer entband. Sie hatte fortan
den Status einer Hochschule und war für das gesamte Kaiserreich zuständig.27 An-
stelle eines ständigen Direktorats, das Eitelberger für nicht zeitgemäß hielt, wurde die
Leitung der Akademie in Anlehnung an die Strukturen der Universitäten einem Rek-
tor übertragen. Dieses Amt sollte alle zwei Jahre abwechselnd von einem Maler, einem
Bildhauer und einem Architekten bekleidet werden. Aus Eitelbergers Sicht garantierte
dies eine freiere und pluralistische Entwicklung der Akademie und förderte zugleich
die gleichberechtigte Stellung der drei Kunstgattungen. Zuletzt sah Eitelberger einen
Kardinalpunkt seiner Streitschrift von 1848 in den Statuten von 1872 verankert : die
Stärkung der Naturwissenschaften, insbesondere der Anatomie und der Perspektive so-
wie der Chemie in Form der Farbenlehre und der Farbenchemie und zudem der Hilfs-
wissenschaften (zu denen auch die Kunstgeschichte gehörte), die er für unabdingbar
für eine künstlerische Ausbildung ansah und nicht als bloße Nebenfächer abgestempelt
wissen wollte.28
27 R. Eitelberger von Edelberg, Die Kunstbewegung in Oesterreich seit der Pariser Weltausstel-
lung im Jahre 1867, Wien 1878, S.
VI und S.
48 sowie ders., Die Wiener Akademie im Jahre 1872
(zit. Anm.
21), S.
2 f. Zwar fehlte eine allgemeine Architektenschule, allerdings wurde die damalige
Ausbildung in den polytechnischen Instituten von Eitelberger als gleichwertig zu der der allge-
meinen Maler- und Bildhauerschulen angesehen. Dass die Wiener Akademie von ihrer Zustän-
digkeit für das Kunstgewerbe entbunden wurde, ist zweifellos auch in engem Zusammenhang mit
der Entstehung und weiteren Entwicklung des von Eitelberger geleiteten Österreichischen Museums
für Kunst und Industrie sowie der damit verbundenen Kunstgewerbeschule zu sehen. Zur Aberken-
nung des Status einer Kunstbehörde siehe auch Lützow, Geschichte der Akademie (zit. Anm.
21),
S.
127. Carl von Lützow (1832–1897) war zudem Kustos der Sammlung für Handzeichnungen und
Kupferstichen der Akademie und lehrte dort zeitweise auch Kunstgeschichte, vgl. C. Fork, Lützow,
Karl von, in : Metzler Kunsthistoriker Lexikon (zit. Anm.
16), S.
274 f.
28 Eitelberger, Die Kunstbewegung in Oesterreich (zit. Anm. 27), S. 49 sowie Anhang B I auf
S.
130 f. u. S.
135 und ders., Die Wiener Akademie im Jahre 1872 (zit. Anm.
21), S.
6 f. und S.
20–
52. In diesem Zusammenhang betont Eitelberger noch 1878 : »Keine der deutschen Akademien
besitzt einen so grossen wissenschaftlichen und künstlerischen Bildungsapparat [zur Unterstützung
der Lehre] wie die Wiener Akademie«, ders., Die Kunstbewegung in Oesterreich (zit. Anm. 27),
S.
53 ; Rampley, The Idea of a Scientific Discipline (zit. Anm.
11), S.
60 f.
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien