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Kunstpolitik zwischen den Kaiserstädten 353
Eine konkrete Benennung und Auflistung der Fächer sucht man im ganzen Statut ver-
geblich. Diese Auslassung kann nicht im Sinne des Wissenschaftlers Richard Schöne
gewesen sein, der sich 1873 z. B. erfolgreich für die Berufung des Kunsthistorikers Karl
Woermann als »Lehrer der Kunstwissenschaften« an der Kunstakademie in Düsseldorf
eingesetzt hatte und schon Ende 1872 erste Schritte zur Berufung des Kunsthistori-
kers Eduard Dobbert an die Berliner Akademie unternommen hatte.32 In der Tat findet
man in Schönes handschriftlichem Entwurf des Statutes (unter der Aufschrift »Allge-
meine Künstlerschule«) eine ausführliche Auflistung der Fächer, die ganz im Sinne Ei-
telbergers auch die Anatomie, die Perspektive und die Farbenlehre sowie die allgemeine
Geschichte und die Kunstgeschichte umfasst. Möglicherweise hängt das Fehlen dieser
Fächer im erlassenen Statut von 1875 mit den Verhandlungen des Kultusministeriums
mit dem Historienmaler Anton von Werner als künftigem Direktor der Einrichtung
zusammen. Zumindest ist es auffallend, dass von Werner in dem von ihm begutach-
teten Entwurf des Statutes den ganzen Paragrafen über die zu lehrenden Fächer ohne
nähere Begründung wegstrich. Insbesondere sein Schreiben an den Kultusminister vom
Februar 1875, in dem er nach Schönes Aufforderung weitere Bedingungen zur An-
nahme der Leitung der Künstlerschule darlegte, deutet entweder darauf hin, dass er die
vom Kultusministerium angestrebte Form der Reorganisation zumindest zum Teil nicht
verstanden hatte oder aber dass er sie zu konterkarieren versuchte – wie z. B. im Falle
der vorgesehenen strikten Trennung zwischen der Allgemeinen Künstlerschule und den
Meisterateliers.33
32 Lehrplan und Verzeichnis der Übungen und Vorlesungen von 1873–74 in GStA PK, I. HA
Rep. 76 Ve Sekt. 17 Abt. I Nr. 11 Bd. 2, Bl. 95 und Bl. 103. Zu Eduard Dobbert (1839–1899)
siehe außerdem A. G. Meyer, Dobbert, Eduard, in : Allgemeine Deutsche Biographie, 47, 1903,
S. 733–735 [Onlinefassung], https://www.deutsche-biographie.de/gnd116145994.html#adbcon-
tent [25.11.2017]. Bezüglich der Berufung von Karl Woermann (1844–1933) vgl. dessen Brief an
Richard Schöne vom 21.12.1873 (Privatbesitz) : »[…] ich mich den Pflichten gerade dieser Stelle
mit besonderer Liebe widmen würde. Meine Erfahrungen in München und in Rom, besonders in
letzterer Stadt, wo meine besten Freunde junge Künstler waren, lehren mich, daß sich der Gegen-
satz, der sich hie und da wohl zwischen Künstlern und Kunstforschern geltend gemacht hat, leicht
überwinden lässt. Mir selbst aber erscheint kaum eine andere Aufgabe schöner, als die, durch die
Möglichkeit direkter Einwirkung auf die Künstler mittelbarer an dem Kunstschaffen seiner Zeit
selbst sich zu betheiligen.«
33 Schönes handschriftlicher Entwurf in GStA PK, I. HA Rep. 76 Ve Sekt. 17 Abt. I Nr. 11 Bd. 2,
Bl. 212–228, hier Bl. 225. Der von Anton von Werner begutachtete Entwurf in ebenda, Bl. 260–271.
Anton von Werner war es zudem wichtig, dass der Direktor der Künstlerschule »ausübender bildender
Künstler und Mitglied der Akademie der Künste« sowie »nur dem Hr. Minister verantwortlich« sein
sollte, vgl. ebenda. Anton von Werners Schreiben vom 1875 in ebenda, Bd.
3, Bl.
106–109. Zu von Wer-
ners mitunter schwierigem Umgang mit Hilfswissenschaften wie der Kunstgeschichte siehe D. Schenk,
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien