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Rudolf von Eitelberger und die bürgerliche F
rauenbewegung 401
im Rahmen der Ringstraßenreihe mit dieser Thematik befasst.13 Marie Hohenlohe, ge-
borene Sayn-Wittgenstein (1837–1920), wurde in Russland geboren und heiratete 1859
Konstantin Prinz Hohenlohe-Schillingsfürst, der als Erster Obersthofmeister Kaiser
Franz Josephs I. in die Ringstraßenprojekte und die Bauleitung der Hofbauten invol-
viert war. Seine Gattin Marie war von Kind an einen unkonventionellen Umgang mit
Künstlern und Dichtern gewöhnt, lebte doch ihre adelige Mutter gegen jede Konven-
tion zusammen mit Franz Liszt. In Altenberg bei Weimar hielt sie einen »Musenhof«.
Ihre Tochter Marie Hohenlohe war eine Kunst- und Literaturkennerin, Sammlerin
und Mäzenin. Besonders schätzte sie Admiral Tegetthoff, für dessen Denkmalsetzung
sie sich einsetzte. Dafür benützte sie Eitelberger mit seinen Kontakten zur Presse, um
durchzusetzen, dass Carl Kundmann den Auftrag erhielt.14
Als Vertreterin der sogenannten Ersten Wiener Gesellschaft öffnete Marie Hohen-
lohe ihr Haus für die angesehensten Künstler, Schriftsteller und Musiker, die sich über
diesen Kontakt Aufträge erhofften. Zu dem illustren Kreis zählten etwa von Saar, Liszt,
Richard Wagner, Wilhelm von Kaulbach, Gottfried Semper und Hans Makart, der
seine Berufung nach Wien wesentlich dem Ehepaar Hohenlohe und Eitelberger ver-
dankt (Abb. 8). Eitelbergers Anwesenheit im Salon der Fürstin Hohenlohe ist durch
den zeitgenössischen Literaten Karl Erdmann-Edler bezeugt, der ein fiktives Zusam-
mentreffen einer gesellschaftlichen Runde im Haus Hohenlohe schildert, im Zuge des-
sen auch Eitelberger anzutreffen ist : »Eitelberger hat sich an Sempers Seite nieder-
gelassen, der wieder einmal nach Wien geeilt ist, um sich als hl. Geist über Hasenauer
niederzulassen. Dort hat sich der ewig jugendliche Arneth zu Zumbusch gesellt, der
Geschichtsschreiber Maria Theresias zu ihrem dereinstigen Bildner […].«15
Besondere Förderung durch die Fürstin wurde Ferdinand von Saar zuteil, dessen
Werke sie kritisch kommentierte.16
Während Marie Hohenlohe im traditionellen Sinn adeliger karitativer Tätigkeit u. a.
eine Volksküche in der Leopoldstadt und Ferienkolonien gründete, schlossen sich, wie
schon erwähnt, Auguste Littrow, Iduna Laube, Frau des Burgtheaterdirektors Heinrich
Laube, die Frauenrechtlerin Marianne Hainisch und Helene Hornbostel mit 70 ande-
ren Frauen 1866 zum Wiener Frauenerwerbsverein zusammen (Abb.
9). Es geschah dies
durchaus aus einem Gefühl der sozialen Verantwortung, nicht aus rein ökonomischen
13 E. Springer, Geschichte und Kulturleben der Wiener Ringstraße (Die Wiener Ringstraße. Bild
einer Epoche, Bd.
2), Wiesbaden 1979, S.
525–531.
14 Ebenda, S.
545–550.
15 Marie Fürstin Hohenlohe und Ferdinand von Saar. Ein Briefwechsel (hg. von A. Bettelheim),
Wien 1910, S.
30.
16 Vgl. ebenda.
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien