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404 Ingeborg Schemper-Sparholz
Interessen. Jeanette von Eitelberger wurde ob ihres Wirkens letztlich auch eine Aus-
zeichnung von Seiten des Kaiserhauses zuteil (Abb.
10).17
In dem Vorgängerverein, dem Verein für volkswirtschaftlichen Fortschritt, hatte Graf
Edmund Zichy zur Gründung eines Frauenvereines aufgerufen, was auch das Interesse
von männlicher Seite an der Gründung eines separaten Frauenerwerbsvereins belegt.
Über seine Person ist zugleich der Konnex zum k. k. Österreichischen Museum für Kunst
und Industrie gegeben, da Zichy, leidenschaftlicher Sammler von Kunstgegenständen
aus aller Welt, Initiator des Museums für orientalische Kunst, aber auch ökonomisch in-
teressiert, 30 Jahre Mitglied des Kuratoriums und damit Eitelberger eng verbunden
war. Der Nationalökonom Carl Thomas Richter, wichtigster Korrespondent der Wie-
ner Weltausstellung, hielt einen später publizierten Vortrag »Das Recht der Frauen auf
Arbeit«18 und verfasste auch die Statuten des WFEV, dessen zentrale Zielsetzung die
Verbesserung der Schulbildung zur späteren Erwerbstätigkeit war. Er vermittelte prak-
tische Fertigkeiten wie Nähen und Sticken, aber auch kaufmännische Grundkenntnisse
und bildete auch zum Lehrberuf aus. Durch die Gründung einer Zeichenschule boten
die einzelnen Sektionen des Vereins künstlerisch ambitionierten Mädchen einen Zu-
gang zur Ausbildung in kunsthandwerklicher Tätigkeit. Da dies über das Ministerium
nicht möglich war, gründeten sie eine Mittelschule, die nachträglich Öffentlichkeits-
recht erlangte. Dies war bislang nur in privaten Zirkeln möglich.19 Wie aus Briefen
von Mathilde Lippitt
– Mitbegründerin und spätere Vizepräsidentin des WFEV
– her-
vorgeht, unterstützte Eitelberger den Verein bei der Errichtung der Schule.20 Eitelber-
ger war übrigens Ehrenmitglied im WFEV und daher bei den Abstimmungen auch
stimmberechtigt. Einen ideengeschichtlich interessanten Vergleich bietet der Blick
nach Deutschland, wo der Berliner, 1866 gegründete Lette-Verein zur Förderung der
Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts ausschließlich von Männern geführt wurde.21
17 Glückwunsch vom Lehrkörper der Fachschule des WFEV 1879, WBR, H.I.N.
94.940.
18 C. Th. Richter, Das Recht der Frauen auf Arbeit und die Organisation der Frauenarbeit, Wien
1867.
19 I. Brandhauer-Schöffmann, Frauenbewegung und Studentinnen. Zum Engagement der öster-
reichischen Frauenvereine für das Frauenstudium, in : »Durch Erkenntnis zu Freiheit und Glück…«.
Frauen an der Universität Wien (ab 1897) (hg. von W. Heindl/M. Tichy), Wien 1990, S. 49–92,
hier S.
49–51.
20 Brief Mathilde Lippitt an Rudolf Eitelberger vom 13. Juni 1877. WBR, H.I.N. 21.275. Wie aus
weiteren Briefen zwischen 1876 und 1884 zu erkennen ist, bestand eine freundschaftliche Verbin-
dung zwischen den Familien Lippitt, geb. Miller-Aichholz, und Eitelberger.
21 D. Oberschernitzki, Der Frau ihre Arbeit ! Lette-Verein : zur Geschichte einer Berliner Institu-
tion 1866–1986, Berlin 1987.
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Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien