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406 Ingeborg Schemper-Sparholz
Die Gründung des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie 1864, der
1867 angeschlossenen Kunstgewerbeschule und die Rolle der Frauenbildung
Eben jene Gründung des Wiener Frauenerwerbsvereins 1866 fällt nun genau in jene
Zeit zwischen der Gründung des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Indust-
rie 1864 und dem Anschluss der 1867 gegründeten Kunstgewerbeschule, die nunmehr
eine Zulassung junger Frauen zur Ausbildung miteinschloss, da auch die zugehörigen
Statuten geschlechtsneutral formuliert wurden. Dennoch steht hier das Erlernen der
angewandten Kunst im Vordergrund. Demgegenüber erscheint es interessant, dass den
Programmheften des Wiener Frauenerwerbsvereins eine klare Entwicklungslinie eduka-
tiver Zielsetzungen zu entnehmen ist. Legen die früheren Auflistungen eine Konzentra-
tion auf die primär ökonomische Ausrichtung der Ausbildung von Frauen offen, lassen
sich in den späteren Programmheften bereits Kurse finden, die etwa auch eine breite
sportliche, musische und kunsthistorische Bildung vorsehen.22
Die anfängliche Einstellung Eitelbergers zur Position der künstlerisch schaffenden
Frau kann anhand mehrerer Aussagen nachskizziert werden : »Diejenigen Fräuleins
welche Kunstdilletantinnen sind, welche Portraitmalerei oder Historienmalerei, Land-
schafts- oder Genremalerei treiben wollen, haben durchaus keinen Anspruch an der
Kunstgewerbeschule aufgenommen zu werden, […].«23 Eitelberger war überzeugt, »dass
der Beruf der Frau zur grossen Kunst ein sehr begrenzter ist, und dass es kaum zulässig
sein dürfte, an einer eigentlichen Akademie der bildenden Künste den Frauen-Unter-
richt prinzipiell zuzulassen […]«.24
Eine weitere Aussage zeigt zudem, dass gegen die Zulassung von Frauen zur künstle-
rischen Ausbildung ein moralisch begründetes Argument angeführt wird, das im Zuge
dieses Diskurses stets bemüht und immer neu formuliert wird : »Nun ist es aber gegen
die Regeln des Anstandes und der guten deutschen Sitte, dass Mädchen für sich allein
natürlich noch weniger in Verbindung mit Jünglingen in einer öffentlichen Schule nach
dem lebenden nackten männlichen Modelle zeichnen oder malen.«25
Ein Fund aus den Nachlasspapieren Eitelbergers in der Wienbibliothek26 belegt nun,
dass für die Mädchen eigene Raumsegmente am neuen Standort der Kunstgewerbe-
schule am Stubenring vorgesehen waren. Die Nennung der Professoren Karl Hracho-
22 Die Programmhefte des WFEV befinden sich in der Wienbibliothek im Rathaus : 1868–1890, ein-
zelne Jahrgänge fehlen.
23 Eitelberger, Zur Regelung des Kunstunterrichts (zit. Anm.
6), S.
61.
24 Ebenda, S.
117.
25 Ebenda, S.
62.
26 Vgl. Anm.
6. Eitelberger-Nachlass, WBR, Nachlass Signatur AN
30
I Keller
2 : AN
3 Box
3.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien