Seite - 420 - in Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
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420 Elisabeth Ziemer
den neuen Wiener Kunstverein wegen des Imports französischer und belgischer Mas-
senware und war auch prinzipiell gegen Kunstvereine, die er für eine der Hauptursa-
chen des deutschen Malerproletariats und der grassierenden Mittelmäßigkeit hielt
– ein
etwas verwegener Standpunkt in einer Zeitschrift, die sich als Organ der deutschen
Kunstvereine präsentierte.
Als Grundtenor zieht sich durch Eitelbergers Beiträge die Klage über die miserable
Lage der österreichischen Kunst und Kultur, die er mit der allgemeinen Ignoranz und
dem staatlichen Dirigismus vor 1848 begründete :
Der Staat weiss nicht recht, was er damit anfangen soll. Die Baubüreaukraten lassen den Ar-
chitekten, die Akademiker von altem Schlag und Korn die Talente in anderen Zweigen der
bildenden Kunst nicht aufkommen, die mittelmässige Künstlerwelt will die Konkurrenz mit
der deutschen Kunst um alles in der Welt sich vom Leibe schaffen, und manche gute Bür-
ger Wiens […] unterstützen das Kunstproletariat, wo sie nur können, und prophezeien zum
mindesten den Untergang der Kunst in Oesterreich, wenn man der Mittelmässigkeit so recht
an den Leib rückt. […] auch unser Adel [hat] keinen andern Begriff von der Förderung der
Kunst, als dass er entweder für sein Privatvergnügen oder aus menschlicher Barmherzigkeit
hie und da ein Bildchen kauft. Dass er, der wenigstens in der Gesellschaft eine gesonderte
Stellung einzunehmen nicht verabsäumt, sich auf einen anderen Standpunkt zu stellen habe,
als der ehrsame Bürgersmann : das ist unserem Adel (mit einziger Ausnahme des böhmischen)
noch nicht in den Sinn gekommen, und deswegen geht hier alles so seinen schläfrigen Gang,
und eine Reihe von Gewohnheiten hat sich in dieser Beziehung in unserer Kunstwelt ein-
genistet, die zwar einzelnen Künstlern zu Nutzen kamen, der Kunst aber wesentlich Schaden
brachten.12
Den Missständen wollte er mit einer Reform all jener Hofanstalten zu Leibe rücken,
»die es direct oder indirect mit der Kunst zu thun haben. Bis jetzt waren sie sehr apa-
thisch, und wie alle Anstalten – die Ausweise des Finanzministeriums geben die un-
zweifelhaftesten Daten – so schlecht subventionirt, wie es nirgend in Europa der Fall
war«.13
Ungeduldig verurteilte er die Langsamkeit, mit der sich in den Köpfen und den
Strukturen etwas ändere, ja sogar Rückschritte zu verzeichnen seien. So schrieb er im
12 Korrespondenz, 1. Teil, in : Kunstblatt, 1, Nr.
27, 08.07.1850, S.
215. Das Lob des böhmischen Adels
zielte wohl auf die Brüder Thun, doch wurden viele Institutionen, Vereine und Künstler in Böhmen
gefördert.
13 Korrespondenz, in : Kunstblatt, 1, Nr.
33, 19.08.1850, S. 262 f., hier S.
263.
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Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien