Seite - 424 - in Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
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424 Elisabeth Ziemer
Sie irren sich sehr, wenn Sie glauben, daß der jüngere österr. Kunstverein jetzt noch die
Sympathien hat, die er vor 2 Jahren bei seiner Gründung hatte. Er hat sich hier sehr diskre-
ditiert, u zwar vorzugsweise deswegen, weil man die Mittel nicht billigte, mit denen er seine
Zwecke durchsetzte. […] Ich zweifle garnicht, daß Sie vom Grafen Thun u vielleicht auch von
Professoren an der Akademie berichtigende Briefe erhalten werden.
In diesen Kreisen ist die Entrüstung allgemein. […]
Da aber der Bericht in No 32 u 41. ohne Chiffre ist, viele Personen nicht wissen, daß ich zu
der Zeit, als er Ihnen zugeschickt wurde, nicht in Oesterreich lebte, sondern auf Reisen mich
befand, – so bitt ich, in der nächsten Num[m]er, um die einfache mit meinem Namen unter-
zeichneten Erklärung : ›daß ich nicht der Verfasser der in N.
32 u 41 enthaltenen Artikel sei.‹
[…] Ich erwarte recht bald Antwort, hoffend, daß meine Anwesenheit Sie nicht mehr zur
Aufnahme von bloßen Partheiartikeln veranlassen wird.25
Doch der Kampf im Kunstblatt brach jetzt erst richtig los. Franz Thun reagierte sofort
mit einer Gegendarstellung, da »mein Name und mein Streben in einem, durch Inhalt
und Haltung so werthvollen, stets den Ernst und das Wahre in der Kunst würdigenden
Blatte, wie das Ihre, durch perfide Insinuationen verunglimpft, verdächtigt und in den
Schmutz des Parteigetriebes herabgezogen wird«.26
Eggers stellte im Kunstblatt eilig klar, dass Eitelberger den Artikel nicht verfasst
hatte. Eitelberger, dem er den Autor verriet, dankte für »Aufna[h]me meiner u des Gra-
fen Thun Erklaerung. Letztere wird, wie ich vermuthen kann, nicht ohne Antwort von
Seite des Vereines bleiben. Unbegreiflich ist es aber, daß sich Dr. E. Melly von letzterem
brauchen ließ«.27
Graf Waldstein, Vorstand des neuen Kunstvereins, antwortete Anfang Dezember
auf die »Verdächtigungen« von Franz Thun28 und Melly, weiterhin anonym, verschärfte
noch seine Kritik an Thun : Durch »die bisherigen ganz unpraktischen und erfolglo-
sen Versuche des Herrn Grafen Thun«, die Kunst zu fördern, sehe man sich enttäuscht,
wohingegen der österreichische Kunstverein praktisch wirke und die »Bürgschaft einer
schönen Zukunft« in sich trage.29
Melly begründete in einem Brief an Eggers seine Weigerung, sich als Verfasser zu er-
kennen zu geben, damit, dass er nicht für sich, sondern für eine Partei schreibe,
25 Eitelberger an Eggers, Wien, 16.10.1852.
26 F. Graf Thun, Geehrte Redaktion !, in : Kunstblatt, 3, Nr.
43, 23.10.1852, S.
370 [Hervorhebung im
Original].
27 Eitelberger an Eggers, Wien, 30.10.1852.
28 Joh. Graf Waldstein, Geehrte Redaktion !, in : Kunstblatt, 3, Nr.
49, 04.12.1852, S.
419 f.
29 Entgegnung auf das Schreiben des Herrn Grafen Franz v. Thun in No. 43, in : Kunstblatt, 3, Nr. 50,
11.12.1852, S.
428.
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Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien