Seite - 427 - in Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
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Rudolf von Eitelberger und das Berliner Netzwerk des Deutschen Kunstblattes 427
terstützte Eitelberger die Preisvergabe an Künstler, die die Akademie ab 1858 auf ihren
wiedereingeführten Jahresausstellungen vornehmen durfte. Er wies dabei explizit auf
Kugler hin : »Den Einfluß, welchen das système des encouragements durch Preise auf
Künstler ausübt, hat Franz Kugler in seiner Broschüre über die Kunstanstalten Frank-
reichs in ein so helles Licht gestellt, daß es überflüssig ist, auf seine Bedeutung im All-
gemeinen hinzuweisen.«39
Interessant ist diese Bemerkung auch deswegen, weil sie zeigt, wie genau die kul-
turpolitischen Entwicklungen der Nachbarländer verfolgt wurden.40 Kugler hatte 1845
eine Reise durch Deutschland (zusammen mit dem preußischen Konservator von Quast),
Frankreich und Belgien gemacht, um seinem Minister über die Regelungen zu den Aka-
demien und der Denkmalpflege zu berichten, und das Ergebnis 1846 veröffentlicht.41
Heider hatte sich offenbar deswegen auch schon in Deutschland umgesehen,42 Melly
seinerseits sich bei Adolphe-Napoléon Didron (1806–1867), dem Sekretär des Comité
historique des arts et monuments über die strategisch aufgestellte französische Denkmal-
pflege orientiert. Mit diesem stand auch von Quast seit dem Archäologenkongress in
Lille 1845, wie mit Arcisse de Caumont, dem Gründer der Société française pour la con-
servation et la déscription des monuments historiques, in dauernder Verbindung,43 wäh-
rend Handelsminister von Bruck sich über den österreichischen Gesandten in Berlin
umfangreiches Material zum Denkmalschutz aus dem preußischen Kultusministerium
be sorgte,44 das sicher kein anderer als der für Kultur zuständige Rat Franz Kugler zu-
39 Korrespondenz [Concursprogramm der k. k. Akademie der bildenden Künste], in : Deutsches
Kunstblatt, 8, Nr. 50, 10.12.1857, S. 440–442, hier S. 441. Gemeint war F. Kugler, Ueber die An-
stalten und Einrichtungen zur Förderung der bildenden Künste und zur Conservation der Kunst-
denkmäler in Frankreich und Belgien nebst Notizen über einige Kunst-Anstalten in Italien und
England, Berlin 1846. Die Bedenken Kuglers, dass Künstler durch Wettbewerbe auf »äußere Er-
folge« trainiert würden (S.
15, S.
25), ließ Eitelberger unerwähnt.
40 In Eitelbergers Privatbibliothek befanden sich u. a. F. Kugler, Über die Kunst als Gegenstand der
Staatsverwaltung, Berlin 1847 und dessen Grundbestimmungen für die Verwaltung der Kunst-An-
gelegenheiten im preussischen Staate, Berlin 1859. Siehe den Anhang in diesem Band, S.
478 ff.
41 Kugler, Anstalten (zit. Anm.
39). Kugler verschaffte Eggers Ende Mai 1849 auch den Auftrag des
Kultusministers Adalbert von Ladenberg, aus der Fachwelt eingeholte Vorschläge für eine Reform
der Kunstangelegenheiten in Preußen zu systematisieren und zusammenzufassen. Eggers druckte
seine »Denkschrift über eine Gesammt-Organisation der Kunst-Angelegenheiten« 1851 im Kunst-
blatt, II, Nr.
29–43 und Nr.
45–48 ab.
42 Springer, Melly (zit. Anm.
10), S.
94, ohne weitere Angaben.
43 Über die intensiven Verbindungen zwischen Frankreich und Deutschland siehe M. Noell, Co-
ryphée des archéologues français : Arcisse de Caumont et l´Allemagne, in : Arcisse de Caumont
(1801–1873) (hg. V. Juhel), Caen 2004, S.
253–271.
44 W. Frodl, Idee und Verwirklichung. Das Werden der staatlichen Denkmalpflege in Österreich
(Studien zu Denkmalschutz und Denkmalpflege 13), Wien/Köln/Graz 1988, S. 68. Interessant zu
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien