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»Eitelberger von Edelberg, Rudolf«, in : Allgemeine Deutsche Biographie 445
Ebenso hat er auf den Neubau der Akademie entscheidenden Einfluß genommen. Die
Berufung bedeutender Architekten nach Wien, wie z. B. Hansen, Schmidt und Semper,
war auf seinen Rath hin erfolgt, und in Besetzungsfragen der Professuren an der Ma-
ler- und Bildhauerschule sprach er das entscheidende [738]
Wort ; bei allen staatlichen
Kunstaufträgen, die gerade in der großen Bauperiode Wiens, zwischen 1870 und 1885,
höchst bedeutend und zahlreich waren, war seine Stimme die maßgebende. Ebenso ver-
hielt es sich mit der Berufung solcher Gelehrten, deren Fach mit der Kunstgeschichte
in Beziehung stand. So wurden Conze und Benndorf auf Eitelberger’s Vorschlag nach
Wien berufen und letzterem die große und erfolgreiche Expedition nach Kleinasien
auf die erfolgreiche Agitation Eitelberger’s hin ermöglicht. Nicht minder entscheidend
war sein Eingreifen bei Kunst- und Kunstgewerbeausstellungen und bei Gründung von
Museen in den verschiedenen Kronländern der Monarchie. Ein anschauliches, wenn
auch nach keiner Richtung erschöpfendes Bild seiner viel umfassenden Wirksamkeit
geben die vier Bände seiner »Gesammelten Schriften«, die 1879 und 1884 unter Mitar-
beiterschaft des späteren Custos an der Museumsbibliothek Franz Ritter erschienen. Sie
bilden in ihren Abhandlungen nicht nur ein wichtiges Quellenmaterial zur Geschichte
des Museums, der Kunstgewerbeschule und des gewerblichen Schulwesens überhaupt,
sie geben auch sowohl über einzelne Künstler wie über die Kunstentwicklung Wiens
im allgemeinen in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts werthvolle, auf persönlicher
Anschauung und Erfahrung beruhende Aufschlüsse. Die zwei letzten Bände vereini-
gen überdies die bedeutenderen in verschiedenen Zeitschriften erschienenen kunstge-
schichtlichen Forschungen.
E., dessen Gesundheit stets eine schwankende war, hatte mit zunehmendem Alter
immer mehr mit körperlichen Leiden zu kämpfen, trotzdem bewahrte er noch lange
Zeit die Frische und außerordentliche Beweglichkeit seines Geistes. 1884 erfolgte
durch kaiserliches Handschreiben vom 9.
Januar seine Berufung in das Herrenhaus des
Reichsrathes, eine Ehrung, deren er sich aber nur mehr kurze Zeit erfreuen konnte. Im
Frühjahr 1885 begannen seine Kräfte sichtlich abzunehmen, und nach kurzem Kran-
kenlager verschied er am 18. April in den Armen seiner Gattin, die das Muster einer
deutschen Hausfrau und fürsorgenden Freundin war. Kurz vor seinem Tode hatte ihn
die Stadt Wien zu ihrem Ehrenbürger ernannt. Unter den Trauerkundgebungen nach
seinem Tode erschien als erste die Sr. Majestät des Kaisers, der der Wittwe des Dahin-
geschiedenen sein Beileid aussprechen ließ. Das Oesterreichische Museum hat seinen
Gründer und ersten Director durch ein Bronzedenkmal geehrt, und auch an seinem
Geburtshause in Olmütz erinnert eine Gedenktafel mit seinem Bildniß an die Bedeu-
tung Eitelberger’s für die Kunstentwicklung in Oesterreich.
J. v. Falke, Rudolf v. Eitelberger. Nekrolog. Separatabdruck aus der k. k. Wiener Zei-
tung vom 20., 21. u. 22.
Mai 1885. Wien, Verlag des Oesterr. Museums 1885.
– Rudolf v.
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Titel
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Untertitel
- Netzwerker der Kunstwelt
- Autoren
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 562
- Kategorie
- Biographien