Seite - 162 - in Ruinen - oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen, Band 1
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Der bechend auf Zion die Schuld versöhnt,
Hört nicht, was bang deine Brust hier stöhnt.
Mit Kriegern tief unten das Tha! sich füllt, /
Noch halb vom Nebel der Frühe verhüllt,
Der Maucrbock, der bewegliche Thurm
Und Roß und Mann rückt heran zum Sturm.
Da schwoll ihr das Blut,
Da stieg ihr der Muth.
»Getreue, hinaus, zum Thor zieh't heraus,.
Besteht mit dem stolzen Priester den Strauß!"
Wohl zieh'n die getreuen Mannen hinaus,
Wohl bestehen sie gegen den Priester den Strauß.
Umsonst ist der Muth. Der Priester lacht;
»Ein Haustein gegen die Heeresmacht!«
Doch muthig und frcy,
Dem Schwüre getreu.
Was fragen sie ob der Priester droht'.
So sanken sie in die Arme dem Tod.
O Gräfin», wie erträgst du den Schmerz?
»Mein Söhnlein, sprach sie, (und es bebt ihr das Herz)
Setz morgen früh auf dein Federbarett,
Häng' um den Hals die goldene Kett'!
Schmück du dich auch fein
Mein Töchterlein!«
In einsamer Kammer die halbe Nacht
Hat darauf im Gebethe sie zugebracht.
Kaum brach des Morgens Frühstrahl hervor,
Da zog durch Castellauns hohes Thor
Die edle Gräsinn, demüthig und frey;
Sie glaubt, daß von Gott beschützt sie sey.
Ruinen
oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen, Band 1
- Titel
- Ruinen
- Untertitel
- oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen
- Band
- 1
- Autor
- Gerhard Dützele von Coeckelberghe
- Verlag
- Lechner, Univ.-Buchhändler
- Ort
- Wien
- Datum
- 1834
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 8.82 x 14.39 cm
- Seiten
- 202
- Schlagwörter
- Sagen, Legenden, Märchen
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918