Seite - 158 - in Ruinen - oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen, Band 3
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Zräfinn tief in's Herz. Allein sie verlor die Beson-
nenheit nicht, und die Begierde, sich an ihrem Ge-
mahl zu rächen, war größer, als der Kummer
über das Schicksal ihrer Tochter. Unter den Leuten
des Pfalzgrafen befand sich ein kühnen, verschlage-
ner Knappe, Rüt iger mit Nahmen. Diesem ver-
traute sie sich, und fertigte ihn mit einem Brief-
lcin cm den Braunsch w eige r ab, den er, ihrer
Rechnung nach, auf der Straße nach Frankfurt
treffen mußte. Zugleich fand sie einen sicheren Weg
aus, der armen Agnes einige Nachrichten zukom-
men zu lassen. Der Burgvogt hatte eine Taube,
di? zum Brieftragen abgerichtet war, und in weni-
gen Tagen die Reise nach dem Thurme machen lern-
te. Gegen ihren Gemahl zeigte die Pfalzgräfinn einen
stillen, verschlossenen Gram; sie legte Traucrkleider
an, und verschloß sich stundenlang auf ihr Ge-
mach. —
Es nahete d^r Geburtstag der schönen Agnes,
seit siebcnzehn Jahren zum ersten Mahle ein- Tag
der Trauer auf State ck. Am Vorabend, als die
Pfalzgräfinn eben im Erker der Burg saß, und den
Strom hinab schaute, trat ihr Gemahl zu ihr her-
ein und faßte freundlich ihre Hand, mit den Wor-
ten: Du sollst morgen zum zwepten Mahl deine
Agnes erhalten. Ihr habt Bcyde gebüßt für eure
Thorheit, und ich denke, das hat euch zu Verstand
gebracht. Die Welf.e n sind unsere Feinde.—
Ruinen
oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen, Band 3
- Titel
- Ruinen
- Untertitel
- oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen
- Band
- 3
- Autor
- Gerhard Dützele von Coeckelberghe
- Verlag
- Lechner, Univ.-Buchhändler
- Ort
- Wien
- Datum
- 1834
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 17.32 x 29.0 cm
- Seiten
- 204
- Schlagwörter
- Märchen, Legenden, Sagen
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918