Seite - 193 - in Ruinen - oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen, Band 3
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Eines Abends saß der Vube schlafentz in der
Küche. Da ergriff ihn der Geist, erwürgte ihn, riß
ihn in Stücken, und setzte selbe in Töpfen an's Feuer.
Als der Koch den bösen Streich entdeckte, flüchte er
dem Geiste; aber Hütchen verderbt^ ihm am
folgenden Tage alle Braten, die am Spieße steck-
ten, durch Krötengift und Krötenblut. Der Koch
wurde dadurch zu neuen Beschimpfungen gereizt
bis ihn endlich Hütchen auf eine vorgegaukelte
Brücke führte, und in einen Graben stürzte, worit/
der Koch jämmerlich umkam.
Ein Mann, der ein ungetreues Weib hatte,
sprach einst, als er verreisen wollte, scherzend zu
Hütchen: »Lieber Freund, laß dir mein Weib
empfohlen sepn, und hüthe sie mir sorgfältig!«
Als nun der Mann von bannen gegangen war, öff-
nete das Weib einem Buhlen nach dem andern ihr
Kämmerlein; aber Hütchen packte jeden, der
hinein wollte, und warf Alle nieder. Als nun der
Mann heim kam, da ging ihm Hütchen entge-
gen, und rief ihm zu: »Es freuet mich, daß du
wiederkehrest, und daß ich frep bin von dem schwe-
ren Dienste, den du mir aufgelegt hast. Der Mann,
der Hütchen nicht kannte, sprach verwundert :
»Wer bist du denn?« — »Ich bin Hütchen,«
antwortete dieser, »dem du dein Weib empfohlen.
Ich habe sie nur mit der größten Mühe bewachen-
tonnen, und mochte lieber alle Schweine in ganz
Ruinen. III. Theil.
Ruinen
oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen, Band 3
- Titel
- Ruinen
- Untertitel
- oder Taschenbuch zur Geschichte verfallener Ritterburgen und Schlösser nebst ihren Sagen, Legenden und Mährchen
- Band
- 3
- Autor
- Gerhard Dützele von Coeckelberghe
- Verlag
- Lechner, Univ.-Buchhändler
- Ort
- Wien
- Datum
- 1834
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 17.32 x 29.0 cm
- Seiten
- 204
- Schlagwörter
- Märchen, Legenden, Sagen
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918